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“ICH HALTE ES NICHT MEHR AUS” : Forschung und Klimakrise

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1/19 Seit Jahrzehnten erforschen wir das Klimasystem und versuchen es zu verstehen. Wir wissen um die Ursachen und Gefahren der #Klimakrise. Wir liefern die Erkenntnis, die Politik soll sie umsetzen.

2 Doch haben all die Paper, Expeditionen und Konferenzen jemals CO₂ aus der Atmosphäre entfernt? Nein! Fachliteratur verstaubt in Archiven, die Politik kümmert sich einen Scheiß um Klima und #IPCC Berichte und Wissenschaftlys finden sich mit der Rolle der ewigen Mahner ab.

3 Derweil brennt, überflutet, versauert, vertrocknet die Welt. Dank der Forschung wissen wir wie schlimm es vermutlich werden wird, aber wenn es um Lösungen geht, zucken Wissenschaftlys mit den Schultern und degradieren sich mit einem „Was kann ich schon tun?“ zu Zuschauys.

4 Ich habe diese Gleichgültigkeit und Mutlosigkeit so satt. Nicht nur das: jedes Mal werden Diskussion über Veränderungen mit „Wir müssen doch erstmal das Erdsystem verstehen bevor wir eingreifen“ abgewürgt, nur weil es in der Komfortzone so schön gemütlich ist.

5 Doch: Wenn wir die Emissionen heute nicht senken, werden wir bald nicht mehr das Privileg haben das Erdsystem zu untersuchen, weil wir alle Kraft im täglichen Kampf gegen die Naturkatastrophen aufwenden müssen. Und: das Erdsystem heute ist eh nicht mehr dasselbe wie 1850.

6 Was könnte man tun? Zum Beispiel untersuchen wie man den globalen Kohlenstoffkreislauf nutzen könnte, um langfristig mehr CO₂ der Atmosphäre zu entziehen. Doch da leuchten alle Alarmglocken. Shit, das wäre ja #Geoengineering.

7 Was ist über Vor- und Nachteile von #Geoengineering bekannt? Zu wenig, denn es fand kaum Forschung statt. Mutige Einzelkämpfer wurden von der Wissenschaftscommunity immer wieder ausgelacht, degradiert und attackiert. Gerne von Wissenschaftlys ohne entsprechende Expertise.

8 Liebe Forschys: bekommt bitte mal endlich euren Arsch hoch, um der #Klimakrise aktiv etwas entgegenzusetzen oder hört zumindest auf, diejenigen auszubremsen, die sich darum kümmern wollen. (es bremsen übrigens überwiegend die Alten)

9 Ich habe selbst durch Studium, Forschungsexpeditionen und Konferenzen über 70 t CO₂ emittiert und trotzdem kein einziges CO₂-Molekül der Atmosphäre entzogen. Auch ich bin ein Teil des Problems und gleichzeitig weit weg von einer Lösung.

10 Daher habe ich beschlossen mein bisheriges Forschungsfeld zu verlassen und nur noch an Dingen zu arbeiten, die die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre senken. Damit ich noch in den Spiegel schauen kann. Damit ich schlafen kann. Damit ich weder passiv noch hilflos bin.

11 Für die Entscheidung an naturbasiertem Geoengineering durch #Olivinverwitterung zu arbeiten wurde ich bereits von Altwissenschaftlys überflüssigerweise über meinen Beruf belehrt und übelst attackiert. Hauptsächlich von Arschlöchern, die weder mich noch mein Projekt kennen.

12 Mit meinem Wunsch an Lösungen zu arbeiten bin ich nicht allein: fast alle Nachwuchswissenschaftlys sagen mir sie fänden es wichtig und richtig daran zu forschen, doch sie trauen sich nicht angesichts der üblen Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft dieses Risiko einzugehen…

13 …denn das Stigma von #Geoengineering und die hohe Chance zu scheitern kann schnell das Karriereende bedeuten. Dann lieber das erforschen, was das Supervisy schon lange macht, wo Geld schon da ist. Eine wissenschaftliche Sackgasse. (auch das ist ein Teil von #IchbinHanna)

14 Daher bin ich glücklich seit August mit einer Menge toller Leute (siehe Bild + @nilsmoosdorf) von #RETAKE http://cdrmare.de/retake/ neben der Senkung meiner privaten Emissionen das Mindeste tun zu dürfen was ich kann: wissenschaftsbasierte Lösungen suchen und voranzutreiben.

15 Zusätzlich schwinge ich gelegentlich die Schaufel bei @carbon_drawdown und diskutiere u.a. mit @dpaessler, @RSteffanides, @IngridSmet_geo und @MathildeHagens über kreative Ideen das Olivin verwittern zu lassen.

16 Die Erhöhung der Alkalinität des Ozeans zur vermehrten CO₂-Aufnahme ist der letzte Strohhalm nach dem wir noch greifen können und ein tiefer Einschnitt in marine Ökosysteme. Ob und wie die gewünschte Wirkung eintritt und die Nebenwirkungen rechtfertigt wollen wir herausfinden

17 Wer glaubt, dass die Menschheit zur Bewältigung der #Klimakrise noch eine Wahl hätte, der hat den #IPCCReport2021 nicht gelesen. Die Handlungsoptionen schwinden mit jedem Tag. In jedem Winkel unseres Lebens müssen Emissionen gesenkt und wenn möglich CO₂ gespeichert werden.

18 Die globale Erwärmung ist so weit vorangeschritten, dass wir inzwischen abwägen müssen, ob wir die Natur lieber durch #Geoengineering oder die #Klimakatastrophe zerstören. Bei ersterem dürften wir als Menschheit noch eine Weile mitspielen.

19/19 Geoengineering ist keine Lösung, wir gewinnen dadurch nur etwas mehr Zeit. Zeit um Dürren, Hungersnöte, Bürgerkriege und Kipppunkte um Jahre zu verschieben, vielleicht sogar ganz zu vermeiden.

Quellen/Original/Links:
https://twitter.com/MEVorrath/status/1427561134257840129

Meeresgeologin
Maria Elena Vorrath

Maria-Elena Vorrath

Maria-Elena Vorrath ist Meeresgeologin. Ihre Themenschwerpunkte sind der Klimawandel und die Polarforschung. “Ich erforsche das Klima der Vergangenheit. Und das hängt mit dem von heute direkt zusammen.”

ORGANISATION

CDRmare RETAKE

CO2-Entnahme durch Alkalinitätserhöhung: Potenzial, Nutzen und Risiken Der Verbund RETAKE untersucht die Potenziale, Machbarkeit und Nebenwirkungen verschiedener Möglichkeiten der atmosphärischen CO2-Entnahme durch marine Alkalinitätserhöhung (AE). Durch AE wird die Aktivität von CO2 im Meerwasser reduziert, wodurch der Gasaustausch von CO2 aus der Atmosphäre in den Ozean verstärkt und die atmosphärische CO2 Konzentration verringert werden kann. In RETAKE werden… Weiterlesen »CDRmare RETAKE