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Massives Problem in der Diskussion um Klimaschutz

30 August, 2021
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Wir reden über sehr unterschiedliche Dimensionen von Gefahren, die es abzuwehren gilt – & entsprechend unterschiedliche Ansätze, was & wie viel & wie schnell zu tun ist.

Eine Typologie.

1. Die ferne abstrakte Bedrohung: sind oft Menschen, die noch immer konsequent von ‚Klimawandel‘ sprechen. Denken, der ‚Wandel‘ vollziehe sich langsam & halte auch ein paar positive Überraschungen bereit. Haben Kipppunkt oft nicht verstanden, entsprechend auch nicht die Akutheit.

2. Die nicht ganz so abstrakte, aber immer noch ferne Bedrohung: „Schon alles schlimm, aber trifft ja frühestens meine Ur-Enkel. Und bis 2050 kriegen wir das schon hin, ne?“ Fliegt mit schlechtem Gewissen & beschäftigt sich lieber nicht zu genau mit den Auswirkungen.

3. Die sehr konkrete & akute Bedrohung der eigenen Lebensgrundlagen: kennt (& fürchtet) die Auswirkungen auf sein eigenes Leben in 10, 20, 30 Jahren. Wird von Typ 1&2 oft als Alarmist:in bezeichnet, obwohl seine/ihre Sicht die einzige ist, die von der Wissenschaft getragen wird.

Die Leugner:innen hab ich hier rausgelassen, ich halte ihren Einfluss für vergleichsweise gering. Das Problem sind vor allem Typ 1&2, sie verzögern & verhindern effektiven Klimaschutz. Weil immer etwas anderes wichtiger ist. Weil ihnen nicht bewusst ist, dass sich wohl fast alle

Probleme verschärfen, wenn wir die #Klimakrise zur #Klimakatastrophe eskalieren lassen.

Leider ist der Anteil von Typ 3 extrem gering, auch & vor allem unter Politiker:innen & Journalist:innen, die den öffentlichen Diskurs über #Klimaschutz jedoch maßgeblich bestimmen.

Typ 3, etwa @sciforfuture & @FridayForFuture, nehmen sie nicht ernst nehmen. Bzw. so ernst, wie Typ 2 halt denkt, dass die Klimakrise sei. Typ 2 & 3 können stundenlang über Klima sprechen, ohne dass Typ 2 realisiert, dass es akuter sein könnte. Auch weil Typ 3 Gefahren oft nur andeutet, aus Angst, sich zu sehr aus dem Fenster zu lehnen & als Apokalyptiker abgetan zu werden. Und so tanzen wir seit Jahren mehr oder weniger fröhlich umeinander rum & kommen nicht weiter

Deswegen trifft der @bundesrat solch unverantwortliche Entscheidungen. Deswegen bleibt der mediale Aufschrei dazu ebenso aus, wie zum #Kohleausstieg 2038, dem #GAPgate oder den Plänen für das Corona-Finanzpaket der EU.

Entweder wir ändern den Diskurs. Oder Typ 1, 2 & 3 werden es zusammen in allerspätestens 30 Jahren bereuen, dass Typ 3 recht behalten wird.

Ps.: Hauptsächlich Typ 3 liest diesen Thread & nimmt die Aussagen ernst. Typ 1 scrollt eh weiter, Typ 2 verdrängt (aus gut erforschten & menschlich verständlichen Gründen, die die Situation aber letztlich verschärfen), dass das was mit ihm/ihr zu tun haben könnte … #Klimakrise

Nachtrag: Das Krisenbewusstsein von Typ 1 und Typ 2 mag mit der Hochwasserkatastrophe in Deutschland, der Hitzewelle in Kanada & den Bränden in Südeuropa diesen Sommer gestiegen sein. Ich halte aber das nach wie vor für eine grundsätzlich passende Kategorisierung.

Quellen/Original/Links:
https://twitter.com/SaraSchurmann/status/1324772337040920577

Journalistin - versucht die Klimakrise und Lösungen zu erklären
Sara Schurmann

Sara Schurmann

Sara Schurmann absolvierte die Henri-Nannen-Schule und arbeitet seit zehn Jahren als Journalistin, unter anderem für den „Tagesspiegel“, „Gruner+Jahr“, „Vice“ und „Zeit Online“. Zuletzt war sie Redaktionsleiterin des Klima- und Nachhaltigkeitsformates OZON von funk. 2018 wählte sie das „Medium Magazin“ unter die Top 30 bis 30. Sie beschäftigt sich schon länger intensiv mit der Klimakrise. Mit… Weiterlesen »Sara Schurmann