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Drei Jahrzehnte Klimawandel: Warum haben wir die globale Emissionskurve nicht gebogen?

Publiziert: 1. Oktober, 2021
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Kurzfassung

Trotz drei Jahrzehnten politischer Bemühungen und einer Fülle von Forschungsergebnissen über die Ursachen und katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels sind die weltweiten Kohlendioxidemissionen weiter angestiegen und liegen heute 60% höher als 1990. Die Untersuchung dieses Anstiegs durch neun Themenbereiche – Klimagovernance, Industrie für fossile Brennstoffe, Geopolitik, Wirtschaft, Modellierung von Abhilfemaßnahmen, Energiesysteme, Ungleichheit, Lebensstile und soziale Vorstellungen – zeigt die vielfältigen Gründe für unser kollektives Versagen bei der Begrenzung der globalen Emissionskurve auf. Ein roter Faden, der sich durch die gesamte Literatur zieht, ist jedoch die zentrale Rolle der Macht, die sich in vielen Formen manifestiert, von einer dogmatischen politisch-wirtschaftlichen Hegemonie und einflussreichen Interessen bis hin zu engen technisch-wirtschaftlichen Denkweisen und Ideologien der Kontrolle. Die Synthese der verschiedenen Hindernisse für den Klimaschutz zeigt, dass die Erfüllung der im Pariser Abkommen verankerten Verpflichtungen nun eine dringende und beispiellose Abkehr vom heutigen kohlenstoff- und energieintensiven Entwicklungsparadigma erfordert.

EINLEITUNG: DREI JAHRZEHNTE UNZUREICHENDER KLIMAMASSNAHMEN

Der erste Bewertungsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) wurde 1990 veröffentlicht und stützt sich auf eine bereits seit langem bestehende und wachsende Zahl von Forschungsarbeiten. Die wissenschaftlich fundierten Warnungen vor den potenziell katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels haben seitdem eine Vielzahl politischer Reaktionen auf die Herausforderungen durch die steigenden Emissionen ausgelöst. Auf internationaler Ebene waren die wichtigsten Meilensteine die Verabschiedung des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) im Jahr 1992, gefolgt vom Kyoto-Protokoll und dem Übereinkommen von Paris im Jahr 1997 bzw. 2015. Zusammen mit Hunderten von formellen Beschlüssen, zahllosen Rahmenwerken, Aktionsplänen und Arbeitsprogrammen, der Einrichtung internationaler Finanzierungsmechanismen (wie der Globalen Umweltfazilität und dem Grünen Klimafonds), einer fast ununterbrochenen Reihe von internationalen Treffen und einer Vielzahl von Bemühungen auf regionaler, nationaler und lokaler Ebene hätte man eigentlich erhebliche Fortschritte erwarten können. Doch die weltweiten Kohlendioxid (CO2)-Emissionen1 sind in den letzten drei Jahrzehnten stetig gestiegen und liegen heute um 60% über dem Stand von 19902 (siehe Abbildung 1a). Welche möglichen Erklärungen gibt es angesichts der beispiellosen Risiken der prognostizierten Erwärmung für den anhaltenden Anstieg der weltweiten Emissionen und das anhaltende Versagen, die Kurve zu beugen? Der vorliegende Artikel geht auf diese schwierige Frage ein, in der Hoffnung, dass er wichtige Erkenntnisse für die laufenden Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels liefert und gleichzeitig Schlüsselfragen für künftige Forschung und Maßnahmen zum Klimawandel aufzeigt.

Abbildung 1 Territoriale Kohlendioxid (CO2)-Emissionen der sogenannten entwickelten Länder, der Entwicklungsländer und der am wenigsten entwickelten Länder (LDC) (a) im Zeitverlauf, (b) kumulativ 1990-2018 und (c) pro Kopf. Die Kategorisierung der Länder folgt der Terminologie des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) in Anhang I (entwickelt) und Nicht-Anhang I (umfasst sowohl Entwicklungsländer als auch LDC). Länder, die nicht der UNFCCC beigetreten sind, wurden nach Anderson et al. (10) kategorisiert, die auch eine überarbeitete Klassifizierung aller Länder auf der Grundlage ihres Bruttoinlandsprodukts pro Kopf und des Index der menschlichen Entwicklung vorschlagen. Die Emissionsdaten stammen vom Global Carbon Project (7), die Bevölkerungsdaten von der Weltbank (1). Weitere Abkürzungen: COVID-19, Coronavirus-Krankheit 2019; IPCC, Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen.

Emissionen 1990-2020: Ein Überblick

Der Artikel konzentriert sich in erster Linie auf die letzten drei Jahrzehnte, aber bei der Entwicklung des Überblicks und der Analyse war es gelegentlich notwendig, tiefer liegende Faktoren zu berücksichtigen, die weiter in die Geschichte zurückreichen. Obwohl jede Analyse partiell und selektiv sein wird, können einige Schlagzeilen und eine Aufschlüsselung der Emissionstrends wichtige Dynamiken hinter dem kontinuierlichen Anstieg der Emissionen aufzeigen. Während in der Vergangenheit die meisten Emissionen in den heutigen wohlhabenden Industrieländern (im Folgenden in Anlehnung an die UN-Terminologie als Industrieländer bezeichnet) freigesetzt wurden, entfiel etwa die Hälfte der kumulierten CO2-Emissionen der letzten 30 Jahre auf die so genannten Entwicklungsländer (Abbildung 1b). In Anbetracht des großen Anteils der Weltbevölkerung in dieser Gruppe [79 % im Jahr 1990 und 84% im Jahr 2018 (1)] waren die Pro-Kopf-Emissionen in diesen Ländern in diesem Zeitraum jedoch im Durchschnitt mehr als viermal niedriger als in den Industrieländern (Abbildung 1c), allerdings mit großen Unterschieden innerhalb der einzelnen Gruppen. Damit soll der bedeutende Beitrag, den der Anstieg der Emissionen in großen und sich rasch industrialisierenden Ländern wie China und – in geringerem Maße – Indien zur globalen Emissionskurve geleistet hat, nicht heruntergespielt, sondern vielmehr relativiert werden. Die durchschnittlichen Pro-Kopf-Emissionen in den so genannten am wenigsten entwickelten Ländern (Least Developed Countries, LDC) waren zehnmal niedriger als in anderen Entwicklungsländern und fast 40-mal niedriger als in den Industrieländern. Diese Zahlen verdeutlichen den höchst ungerechten Charakter des Klimawandels, nicht zuletzt deshalb, weil die am wenigsten entwickelten Länder zu denjenigen gehören, die bereits unter den schlimmsten Folgen eines sich rasch verändernden Klimas leiden. Kombiniert man die verbrauchsbasierte Emissionsbilanzierung (d. h. die vollständige Berücksichtigung von Emissionen, die aus einem bestimmten Lebensstil resultieren) mit Daten über die globale und nationale Einkommensungleichheit, so zeigt sich eine noch krassere Realität der Kohlenstoffungleichheit in unserer Welt. Jüngste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die reichsten 10 % der Weltbevölkerung für die Hälfte der kumulierten Emissionen seit 1990 verantwortlich sind und die reichsten 1% für mehr als das Doppelte der Emissionen der ärmsten 50% (2).

Auswirkungen des Scheiterns der Beugung der globalen Emissionskurve

Historische Berichte deuten darauf hin, dass sich einflussreiche Industrielle, Wissenschaftler und Politiker bereits Ende der 1980er Jahre einig waren, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel ein echtes Problem darstellt und dass Maßnahmen erforderlich sind (3, 4). In der Tat wurde das Thema 1988 in der UN-Generalversammlung angesprochen, und im selben Jahr wurde der IPCC gegründet. In den 1990er Jahren begann sich das Thema weltweit in der Öffentlichkeit zu verbreiten, auch wenn das Verständnis noch begrenzt war (5, 6). Wären damals konzertierte und entschlossene Maßnahmen ergriffen worden, hätten moderate Emissionssenkungen und eine schrittweise Abkehr von fossilen Brennstoffen einen Großteil des heute feststehenden Klimawandels abwenden können. Stattdessen wurde in nur drei Jahrzehnten mehr fossiles CO2 emittiert als jemals zuvor in der Geschichte (804 GtCO2 in den 240 Jahren von 1750 bis 1990 und 872 GtCO2 in den drei Jahrzehnten von 1990 bis 2019) (7). Der kumulative Charakter der CO2-Emissionen hat das Tempo und die Intensität beschleunigt, mit der ein grundlegender Wandel auf Systemebene notwendig wird, wenn die Entwicklungspfade der Gesellschaft mit den politischen Verpflichtungen des Pariser Abkommens in Einklang gebracht werden sollen (8, 9). Für die wohlhabenderen Industrieländer erfordert die Einhaltung der Pariser Temperaturverpflichtungen und der im Abkommen verankerten Grundsätze der Gerechtigkeit nun territoriale Minderungsraten von mehr als 10% pro Jahr (10; siehe auch die Seitenleiste mit dem Titel A Global Carbon Budget and the Paris Agreement).

EIN GLOBALES KOHLENSTOFFBUDGET UND DAS PARISER ABKOMMEN

Das Konzept des Kohlenstoffbudgets erfasst die kumulative Natur der CO2-Emissionen und quantifiziert die Gesamtmenge der Emissionen, die freigesetzt werden kann, um einen bestimmten Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen zu vermeiden. Kombiniert man die vom IPCC berechneten Kohlenstoffbudgets mit den im Pariser Abkommen verankerten Temperaturverpflichtungen, so wird deutlich, dass dringend noch nie dagewesene Klimaschutzmaßnahmen erforderlich sind. Ohne den Glauben an den erfolgreichen Einsatz planetarer negativer Emissionstechnologien (NETs) und in Anerkennung der dem Pariser Abkommen zugrundeliegenden Gerechtigkeitsprinzipien werden von den reichen Industrieländern nun jährliche Minderungsraten im zweistelligen Bereich gefordert (10).

Wie schwierig oder unwahrscheinlich eine solche beispiellose und rasche Umgestaltung der Industriegesellschaften auch erscheinen mag, so wird ein Scheitern das bereits vorhandene Leiden innerhalb und zwischen den Generationen noch weiter verschlimmern. Anpassungsschwierigkeiten und irreversible Verluste und Schäden (d.h. Beeinträchtigungen der menschlichen Lebensgrundlagen und der Ökosysteme durch plötzlich auftretende Ereignisse oder langsam eintretende Prozesse des Klimawandels, die nicht gemildert oder angepasst werden können) sind heute eine Realität, mit der Gemeinschaften auf der ganzen Welt konfrontiert sind. Eine immer häufiger anzutreffende Art, sich mit dieser Situation zu befassen, ist die Betrachtung des Anthropozäns, und zwar in allen Disziplinen. Das Anthropozän ist eine großartige Geschichte über die lang anhaltende Prägung dieses Planeten durch die Menschheit (11). Es ist ein Konzept, das die Aufmerksamkeit auf das Ausmaß und die Folgen einer sich erwärmenden Welt lenkt und hervorhebt, dass sich die irreversiblen Schäden, die bereits an empfindlichen Ökosystemen und Menschen entstanden sind, über viele Jahrtausende erstrecken werden. Im Gegensatz zu den letzten 12 000 Jahren relativer Klimastabilität, die Geologen als Holozän bezeichnen, wird das Anthropozän als eine unvorhersehbare und gefährliche Ära in der Geschichte des Planeten beschrieben, in der die Menschheit zu einer wichtigen Naturkraft geworden ist, die die Dynamik und Funktionsweise der Erde selbst verändert (12, 13). Auch wenn es erhebliche Meinungsverschiedenheiten über die Bedeutung, die Implikationen und die Angemessenheit des Begriffs gibt (siehe z. B. 14 für eine Kritik), hat das Anthropozän zu neuen Denkweisen über unsere Beziehung zur natürlichen Welt, zu uns selbst und zu unserer kollektiven Existenz geführt (15). In einer Zeit schmelzender Eiskappen, steigender Meeresspiegel, extremer Wetterverhältnisse und massenhaften Artensterbens werden viele konventionelle Wissenssysteme und institutionelle Praktiken in Frage gestellt und müssen möglicherweise radikal überdacht werden.

RÜCKBLICK AUF DREI JAHRZEHNTE DES KLIMASCHUTZES DURCH NEUN THEMATISCHE ASPEKTE

Bei der Überprüfung möglicher Gründe, warum die globale Emissionskurve weiter ansteigt, haben die ersten beiden Autoren dieses Artikels (Stoddard und Anderson) neun thematische Linsen zur Strukturierung des Prozesses formuliert. Sie umfassen Fragen der internationalen Klimapolitik (Abschnitt 3.1), der Interessen der fossilen Brennstoffindustrie (Abschnitt 3.2), der Geopolitik und des Militarismus (Abschnitt 3.3), der Wirtschaft und der Finanzialisierung (Abschnitt 4.1), der Modellierung der Emissionsminderung (Abschnitt 4.2), der Energieversorgungssysteme (Abschnitt 4.3), der Ungerechtigkeit (Abschnitt 5.1), der kohlenstoffreichen Lebensweise (Abschnitt 5.2) und der sozialen Vorstellungen (Abschnitt 5.3). Diese Linsen wurden gewählt, um andere kürzlich erschienene Übersichten zu ergänzen, z. B. zu Kohlenstoff-Lock-Ins (16), Diskursen über Klimaverzug (17) und interdisziplinären Forschungsplänen (18, 19).

Für jede thematische Linse wurden dann zwei zusätzliche Koautoren eingeladen, Expertengutachten zu erstellen.3 Da keine einzelne Disziplin das schiere Ausmaß des Versagens bei der wirksamen Bekämpfung des Klimawandels erklären kann, stützten sich die Linsen auf ein breites Spektrum an Literatur aus den Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften. Um eine gewisse Breite und Vielfalt innerhalb der einzelnen Linsen zu gewährleisten, und als eine Art interner Peer-Review, wurden die Autorenpaare zum Teil aufgrund ihrer unterschiedlichen Auseinandersetzung mit und Interpretation der relevanten Forschung ausgewählt. Im Einklang mit den Forderungen nach einer kritischeren Forschungsagenda (siehe z. B. 20) wurden Autoren mit einer ausgeprägten Fähigkeit zur Kritik an der Orthodoxie und zur Vermittlung von Perspektiven, die sich auf heterodoxere Denkschulen stützen, bevorzugt.

Der Prozess des Schreibens dieses Artikels war ein iterativer und demütigender Prozess. Die neun Blickwinkel boten wichtige Einblicke in den scheinbar unaufhaltsamen Anstieg der Emissionen, aber mit jedem Einblick kamen neue Fragen und die Aussicht auf noch mehr Blickwinkel. Im Laufe der Arbeit an diesem Artikel wurde immer deutlicher, dass jeder Versuch, ein einziges klares Narrativ zu destillieren, fehlgeleitet war. Bei der Betrachtung der einzelnen Aspekte aus der Ferne ergaben sich jedoch einige Gemeinsamkeiten, um die sie sich gruppieren ließen, aber wie bei jeder Gruppierung ergaben sich bei jedem Scan andere Aspekte. Erst als diese Alternativen im Zusammenhang mit dem Kerngedanken des Artikels betrachtet wurden, zeichnete sich ein stärkeres Gefühl für die Richtung ab, und die Macht erwies sich als ein besonders wichtiges Thema, das hervorgehoben werden sollte.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Fokussierung auf Macht kaum von vielen anderen Analysen, aber dennoch tauchte sie als ein wiederkehrendes und wichtiges Motiv in allen Berichten auf. Wenn man darüber nachdenkt, wie sich Macht durch die verschiedenen Linsen zieht, ergeben sich wichtige Unterschiede in der Art und Weise, wie sie aufgefasst und ausgeübt wird. Letztendlich wurde eine erste Gruppe von Linsen als tief verwurzelte und weitgehend unangefochtene Formen der Macht angesehen. Diese Macht prägt Debatten, kontrolliert Institutionen und beschreibt die Grenzen des Paradigmas, innerhalb dessen die meisten Gesellschaften implizit agieren. In dieser dünnen Welt sind Fragen der Global Governance (Abschnitt 3.1), der Geopolitik und des Militarismus (Abschnitt 3.3) und wohl auch die Interessen der Industrie für fossile Brennstoffe (Abschnitt 3.2) angesiedelt, die in diesem Artikel als “Davos-Cluster” karikiert werden.4

Innerhalb einer zweiten Gruppe von Linsen gibt es Formen der Macht, die eher als instrumental bezeichnet werden können, wobei die angeblich “objektive” Analyse innerhalb der zutiefst subjektiven Grenzen operiert, die von den Mächten des Davoser Clusters festgelegt wurden, und diese dadurch verstärkt. Hier ist das Bild eines legitimierenden Kollaborateurs, des Enabler-Clusters, zu sehen, durch den Antworten auf alle Fragen (einschließlich des Klimawandels) innerhalb des zeitgenössischen sozioökonomischen Paradigmas gegeben werden können. Ob es sich um die unangefochtene Dominanz der Mainstream-Wirtschafts- und Finanzwelt handelt (Abschnitt 4.1), um die enge techno-ökonomische Rationalität, die den globalen Abschwächungsmodellen zugrunde liegt (Abschnitt 4.2), oder um den sich selbst verstärkenden technologischen Determinismus der zentralisierten und großmaßstäblichen Energieversorgung (Abschnitt 4.3) – sie alle sehen die Zukunft als eine einfache Erweiterung der Gegenwart. Doch trotz ihrer bestehenden und stillschweigenden Zugehörigkeit zum Davoser Cluster liegt in diesem “Experten”-Bereich die Macht, den Status quo sowohl zu legitimieren als auch zu untergraben. In dieser Hinsicht hat sie das Potenzial, sehr einflussreich zu sein und einen raschen Wandel zu fördern.

Eine letzte Gruppe versammelt Phänomene, die wohl elastischer sind und das Potenzial haben, bestehende Normen sowohl indirekt aufrechtzuerhalten als auch explizit abzulehnen und umzugestalten. Viele der hier behandelten Themen können als “bottom-up” charakterisiert werden, mit starken und sehr unterschiedlichen kulturellen Grundlagen. Sie werden zwar von globalen und regionalen sozialen Normen, der fachlichen Gestaltung von Institutionen und den Zwängen der physischen Infrastruktur (vom Wohnungsbau bis zu den Verkehrsnetzen) beeinflusst, sind aber auch Bereiche des Experimentierens, neuer Normen und des kulturellen Wandels. Ausgehend von diesem Potenzial, sich dem Wandel entweder zu widersetzen oder ihn zu katalysieren, wurde hier eine Karikatur aus Vogelmetapher und -mythos gewählt: der Strauß und der Phönix-Haufen. Straußenähnliches Verhalten – den Kopf bequem im Sand zu verstecken – zeigt sich auf unterschiedliche Weise bei den Themen Ungerechtigkeit (Abschnitt 5.1), kohlenstoffintensive Lebensstile (Abschnitt 5.2) und soziale Vorstellungen (Abschnitt 5.3), aus denen sich diese Gruppe zusammensetzt. Diese Linsen verweisen jedoch auch auf die Macht der Ideen, auf die Art und Weise, wie Menschen jenseits der vorherrschenden Normen gedeihen können, und auf die Möglichkeit eines raschen kulturellen Wandels in Gesellschaften – alles Formen der Transformation, die an den mythologischen Phönix aus der Asche seines Vorgängers erinnern. Es ist denkbar, dass dieser Cluster beginnt, die Grenzen der Analyse neu zu definieren, die dem Befähiger-Cluster zugrunde liegen, was wiederum das Potenzial hat, die Legitimität des Davoser Clusters zu untergraben. Die ersten Anzeichen einer solchen Unterbrechung sind in einigen der folgenden Abschnitte erkennbar und werden im letzten Teil der Diskussion näher erläutert.

GOVERNANCE, GEOPOLITIK UND INTERESSENVERTRETUNG (DAVOS-CLUSTER)

Der Davos-Cluster beschäftigt sich mit den drei Aspekten der internationalen Klimapolitik (Abschnitt 3.1), den Eigeninteressen der fossilen Brennstoffindustrie (Abschnitt 3.2) und der Verankerung von Geopolitik und Militarismus (Abschnitt 3.3), um zu untersuchen, wie wirksame Abhilfemaßnahmen behindert wurden und weiterhin behindert werden.

Internationale Klimapolitik

Auf internationaler Ebene bestand eine wichtige Reaktion auf den Klimawandel darin, ein Regime zu entwickeln – eine Form des Regierens, in deren Mittelpunkt ein rechtlicher Vertrag steht, der die Zusammenarbeit und Verhandlungen zwischen souveränen Staaten auf der Grundlage vereinbarter Grundsätze, Normen, Regeln und Entscheidungsverfahren ermöglicht (21, 22). Das Klimaregime, das auf der Grundlage des UNFCCC von 1992 geschaffen wurde, hat einige der erwarteten Funktionen erfüllt. Es hat das Bewusstsein geschärft, das Lernen gefördert, Berichts- und Überwachungssysteme eingerichtet, große Teile der Zivilgesellschaft mobilisiert und eine gewisse Konvergenz der Normen erreicht, insbesondere die rhetorische Akzeptanz der Temperaturziele von 2°C und 1,5°C. Das Regime hat sich auf die Politikgestaltung ausgewirkt, wobei wichtige Ereignisse – das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls von 1997, die Konferenz von Kopenhagen 2009 und die Verabschiedung des Pariser Abkommens von 2015 – eine Ausweitung der nationalen Gesetzgebung zum Klimawandel ausgelöst haben (23). Die spezifischen Emissionsverpflichtungen des Kyoto-Protokolls wurden in vollem Umfang rechtlich eingehalten (24), doch standen die Verpflichtungen nie in einem angemessenen Verhältnis zu dem beispiellosen und eskalierenden Ausmaß der Herausforderung. Die Gründe dafür sind vielschichtig und miteinander verknüpft. Dazu gehören die äußerst hartnäckige Natur des Klimawandels selbst und die Hegemonie eines internationalen politisch-ökonomischen Systems, das weitgehend auf staatlicher Souveränität und Wettbewerb beruht (siehe Abschnitte 3.3 und 4.1), wobei das Klimaregime keine ausreichenden Anreize zur Überwindung dieser beiden Faktoren geschaffen hat. Hier richtet sich die Aufmerksamkeit auf zwei weitere Faktoren: das institutionelle Design des Klimaregimes und die bewusste politische Strategie.

In den letzten 30 Jahren wurden verschiedene Bedenken hinsichtlich der institutionellen Ausgestaltung geäußert, oft im Zusammenhang mit hitzigen politischen Debatten. Von besonderer Bedeutung war die Unterscheidung der Länder im Rahmen des UNFCCC von 1992 in Anhang I (43 Industrieländer) und – unter Ausschluss der Nicht-Anhang-I-Länder (zumeist Entwicklungsländer), wobei jede Gruppe gemäß dem Grundsatz der gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortlichkeiten und jeweiligen Fähigkeiten (CBDR&RC) unterschiedliche Verantwortlichkeiten übernahm. Anhang-I-Länder mussten bei der “Bekämpfung des Klimawandels” (Artikel 3.1) (25, S. 4) und bei der “Änderung der längerfristigen Trends bei … Emissionen” (Artikel 4.2(a)) (25, S. 6) “die Führung übernehmen”, wobei eine Untergruppe wohlhabenderer Nationen (Anhang-II-Parteien5) ebenfalls verpflichtet war, den Entwicklungsländern finanzielle und technologische Unterstützung zu gewähren (25). Diese Aufteilung wurde später auf das Kyoto-Protokoll angewandt, in dem die meisten Anhang-I-Parteien rechtsverbindliche Emissionsziele übernahmen.

Ohne einen automatischen Graduierungsmechanismus wurde diese Einteilung von einigen als unflexibel kritisiert, da sie den unterschiedlichen und sich ändernden nationalen Gegebenheiten nicht Rechnung trage, eine politische Kluft verfestige und es den Schwellenländern ermögliche, die Übernahme von Verpflichtungen zu verzögern, die ihren steigenden Emissionen entsprechen (siehe z. B. 26, 27). Die Kategorisierung ist jedoch nuancierter und geht auf die unterschiedlichen nationalen Gegebenheiten ein, als gemeinhin angenommen wird6 , und das UNFCCC hat auch klare Wege für die Überprüfung der Anhänge und die Änderung der Länderkategorien vorgesehen. Die angebliche Inflexibilität des Systems war daher immer eher ein politisches Problem als eines der institutionellen Gestaltung. Mit dem Pariser Abkommen wurde die auf Anhängen basierende Struktur des UNFCCC schließlich aufgegeben, und sowohl von den Industrie- als auch von den Entwicklungsländern wird erwartet, dass sie freiwillige, national festgelegte Beiträge übernehmen. Diese Abflachung der Regimestruktur bedeutete eine deutliche Schwächung der Verpflichtungen für die Industrieländer.

Während sich einige Kritiker der institutionellen Ausgestaltung auf die Differenzierung konzentrierten, wiesen andere auf den begrenzten Erfolg des Regimes bei der Schaffung von Mechanismen zur Umsetzung seiner Grundsätze und Verpflichtungen hin, insbesondere in Bezug auf die unzureichende Finanzierung und den Technologietransfer für Entwicklungsländer (28). Die Geberländer stehen in der Kritik, weil sie ihre finanziellen Zusagen immer wieder nicht einhalten und bei der Finanzberichterstattung im Rückstand sind, einschließlich der Doppelzählung (siehe z. B. 29). Auch die multilateralen Entwicklungsbanken sind nur langsam von der Finanzierung kohlenstoffintensiver zu kohlenstoffarmen Entwicklungsprojekten übergegangen.

Die Entscheidungsfindung im Konsens ist aufgrund des Fehlens vereinbarter Verfahrensregeln ein weiterer Kandidat für Kritik, da sie zu Ergebnissen auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner führt und den Einfluss kleiner Gruppen von Ländern vergrößert (30). Generell gibt es in der Literatur unterschiedliche Auffassungen über die relativen Vorzüge verschiedener institutioneller Ansätze, darunter rechtlich verbindliche Ziele in Verbindung mit dem Emissionshandel für Industrieländer (wie im Kyoto-Protokoll) und universelle und freiwillige politische Zusagen (wie im Pariser Abkommen) (27, 31). Keiner dieser beiden Ansätze hat sich bisher ausreichend auf die globale Emissionskurve ausgewirkt (obwohl es noch zu früh ist, die Auswirkungen des Pariser Abkommens in vollem Umfang zu beurteilen). Ein globaler Verhandlungsprozess, an dem fast 200 Länder und Tausende von Teilnehmern beteiligt sind, ist von Natur aus schwerfällig, mit hohen Transaktionskosten verbunden und wird durch politische Effekthascherei und geopolitische Spielchen beeinträchtigt (siehe Abschnitt 3.3).

Ein weiteres Problem, das den Fortschritt behindert, sind die bewussten politischen Strategien von Interessengruppen, insbesondere der fossilen Brennstoffindustrie und verwandter Sektoren (siehe Abschnitt 3.2), und ihre Lobbyarbeit, die darauf abzielt, in Ländern wie Australien und den Vereinigten Staaten eine rückständige Position aufrechtzuerhalten und in anderen Ländern, wie Deutschland, die Führungsrolle zu schwächen. Die Obstruktionspolitik geht von den fossile Brennstoffe exportierenden Ländern aus, die die Verhandlungen abwürgen, die politischen Spannungen verschärfen und jeden Hinweis auf fossile Brennstoffe als Hauptursache des Klimawandels vermeiden (siehe z. B. 32).

Das Land, das den Aufruf zum Handeln am stärksten unterminiert hat, sind die Vereinigten Staaten. Selbst während engagierterer demokratischer Präsidentschaften war die Beteiligung der USA darauf ausgerichtet, die unterschiedlichen Verpflichtungen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern zu nivellieren. Der Exzeptionalismus der USA hat das Regime zum Teil deshalb dominiert, weil es an positiverer, nachhaltiger Führung durch andere Länder mangelt – und in der Tat an der Bereitschaft einiger hochemittierender Industrieländer, ihre zögerliche Haltung zu unterstützen. Die Europäische Union (EU) hat sich aufgrund ihrer relativ starken Innen- und Regionalpolitik lange Zeit als führend in diesem Regime positioniert (33). Ihr Führungsanspruch wird jedoch durch die unzuverlässige Einhaltung finanzieller Zusagen, die verzögerte Ratifizierung der zweiten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls, die uneinheitliche Innenpolitik ihrer Mitglieder (z. B. fortgesetzte Kohlesubventionen in Deutschland, die Behinderung energischer Maßnahmen durch Polen) und schließlich durch ihre Beteiligung an der Schwächung des Systems für die Industrieländer beeinträchtigt. China hat auf nationaler Ebene einige Maßnahmen ergriffen, aber es hat sich als zögerlich erwiesen, eine Führungsrolle zu übernehmen, die seiner herausragenden wirtschaftlichen Stellung und seinem Status als Emittent angemessen ist, während es weiterhin in- und ausländische Investitionen in fossile Brennstoffe tätigt (z. B. über seine Belt and Road Initiative).

Die Kritik an verschiedenen institutionellen Merkmalen des Klimaregimes hat einen gewissen Erklärungswert dafür, dass es in den letzten 30 Jahren nicht gelungen ist, die globale Emissionskurve zu biegen. Diese Kritikpunkte scheinen jedoch von den Auswirkungen einer bewussten politischen Strategie, ungleicher Machtverhältnisse und fehlender Führungsstärke überschattet zu werden. Trotz relativer Fortschritte in einigen Ländern haben es die wohlhabenden Industrienationen versäumt, bei der Bewältigung des Klimawandels eine entscheidende Führungsrolle zu übernehmen, und zwar sowohl bei der Erreichung signifikanter Emissionssenkungen (9) als auch bei der Bereitstellung angemessener und vorhersehbarer Finanzmittel (28, 29), die Vertrauen und Impulse für einen “Wettlauf an die Spitze” hätten schaffen können. Dieses Versäumnis, im Einklang mit den Grundsätzen des UNFCCC eine Führungsrolle zu übernehmen, hat Misstrauen gesät und für die Entwicklungsländer wenig Anreiz zum Handeln geschaffen. Dieses Misstrauen hat den mächtigen Interessen innerhalb dieser Entwicklungsländer reichlich Nahrung gegeben, um den “Business-as-usual”-Ansatz aufrechtzuerhalten und so eine kohlenstoffreiche Entwicklung zu verlängern und weiter zu verankern, anstatt kohlenstoffarme Alternativen zu schaffen.

Die Eigeninteressen der Industrie für fossile Brennstoffe

Die rasche Verringerung der Emissionen, die zur Eindämmung des fortschreitenden Klimawandels erforderlich ist, stellt eine echte Bedrohung für die kurz- und mittelfristigen Geschäftsmodelle der etablierten Unternehmen für fossile Brennstoffe und der damit verbundenen Interessen dar (34). In der Literatur wird immer häufiger beschrieben, wie mächtige Interessengruppen Strategien entwickelt haben, um sowohl die Wissenschaft zum Klimawandel direkt zu diskreditieren als auch auf subtilere Weise die Notwendigkeit zu verzögern, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern (35, 36). Neben Fehlinformationsprogrammen von Kohlenwasserstoffunternehmen (37, 38) wurden solche Strategien vor allem von Denkfabriken in den Vereinigten Staaten, Australien, dem Vereinigten Königreich, Kanada und Europa angewandt – allesamt mit engen Verbindungen zu dieser Industrie (39, 40).

Die Leugnung des Klimawandels als Scherz, Betrug oder Schwindel ist ein altes Phänomen, das in den Vereinigten Staaten mindestens seit 1989 bekannt ist (35). Die Verbindungen zwischen der Leugnung des Klimawandels, den Interessen der fossilen Energieträger und konservativen Think Tanks wurden in einer Reihe von Studien über mehrere Jahre hinweg aufgedeckt (z. B. 39). Die organisierte Leugnung ist in den Vereinigten Staaten in den letzten zwei Jahrzehnten stärker geworden (35) und war ein wichtiges Thema in Trumps erfolgreichem Präsidentschaftswahlkampf 2016, mit der Änderung von Regeln und Vorschriften zugunsten der fossilen Brennstoffindustrie während der nachfolgenden Präsidentschaft (41).

Die meisten Studien haben sich bisher auf ein bestimmtes Land und/oder eine bestimmte Gruppe von Akteuren konzentriert, wobei es kaum vergleichende Arbeiten gibt, die sich auf verschiedene Fälle erstrecken. Eine wichtige Ausnahme (42) zeigt, wie die politischen Debatten in Australien und Kanada stark von globalen Erzählungen beeinflusst wurden, die den Klimawandel anzweifeln und ihren Ursprung vor allem in den Vereinigten Staaten haben. Eine gewisse Abneigung gegen Klimaschutzmaßnahmen rührt von der Erkenntnis her, dass die Bewältigung des Klimawandels oft ein erhebliches Maß an staatlichen Eingriffen erfordert und daher mit bestimmten Weltanschauungen und politischen Werten in Konflikt geraten kann. Was die Lobbyarbeit verschiedener Interessengruppen anbelangt, so sind die Ansätze auf die Weltanschauungen derjenigen zugeschnitten, für die Lobbyarbeit betrieben wird, wie z. B. die Männlichkeit von Industriellen und Brotverdienern in Schweden (43) und die Leugnung als eine Form des Nationalismus in China (44). Im Fall von Norwegen überschneiden sich diese beiden Narrative (45). Wichtig ist, dass Leugnungsbehauptungen häufig geschaffen, neu erfunden und recycelt werden, um die neuesten Behauptungen der Klimawissenschaft und damit die Notwendigkeit politischer Maßnahmen in Frage zu stellen (46). In letzter Zeit haben die organisierte Leugnung und die konträren Positionen, die in den Vereinigten Staaten so weit verbreitet sind, in anderen englischsprachigen Ländern und in weiten Teilen Europas ein empfängliches und wachsendes Publikum unter rechtsnationalistischen Parteien gefunden (47).

Politische Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels wurden auch auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene durch direkte Lobbyarbeit der Unternehmen für fossile Brennstoffe und durch die Finanzierung politischer Akteure gebremst. Regionen, die in Bezug auf Arbeitsplätze und Einnahmen auf fossile Brennstoffe angewiesen sind, haben es besonders schwer, solchen Lobbyingversuchen zu widerstehen (34). Untersuchungen von InfluenceMap (https://influencemap.org) zeigen, wie fossile Brennstoffunternehmen Lobbyarbeit betrieben haben, um die Klimapolitik auf der ganzen Welt zu schwächen, und dies weiterhin tun, obwohl sie behaupten, das Pariser Abkommen zu unterstützen.

Politische Lobbyarbeit durch die Interessen der fossilen Brennstoffe erklärt auch, warum das Pariser Abkommen keine ausdrückliche Erwähnung der Dekarbonisierung oder der Reduzierung der Nutzung fossiler Brennstoffe enthält, obwohl wissenschaftlich erwiesen ist, dass die meisten fossilen Brennstoffe im Boden bleiben müssen, um die Erwärmung auf 1,5-2°C zu begrenzen (48). Um einen solchen unangemessenen Einfluss zu vermeiden, plädieren zivilgesellschaftliche Organisationen seit langem dafür, die Unternehmen für fossile Brennstoffe aus den UN-Klimaverhandlungen herauszuhalten (49). Die Einschränkung der Interessen der fossilen Brennstoffe bei den Verhandlungen wird jedoch durch die Tatsache erschwert, dass staatliche Unternehmen weiterhin einen Sitz am Verhandlungstisch haben würden. Länder, die reich an fossilen Brennstoffen sind, wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Staaten, Kuwait und Russland, haben sich besonders dadurch hervorgetan, dass sie die Verhandlungen behindern und die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel anzweifeln (50; siehe auch Abschnitt 3.1).

Die Interessen können also sowohl privat als auch öffentlich sein. Gemeinsam ist ihnen, dass sie den Klimawandel als ein erhebliches Geschäftsrisiko betrachten, auch wenn sie leicht unterschiedliche Strategien zum Umgang mit diesem Risiko gewählt haben (51). Die Gegner der Dekarbonisierung verzichten zunehmend auf eine offene Klimaleugnung zugunsten von Absicherungsstrategien, wie z. B. die Diversifizierung der Geschäftstätigkeit zur Risikominderung (36) und die beharrliche Förderung von Gas als Übergangskraftstoff. Die Öl- und Gas-Klima-Initiative beispielsweise bringt einige der größten Öl- und Gasunternehmen zusammen, um Strategien zur Verringerung ihrer Klimaauswirkungen zu entwickeln (51). Darüber hinaus haben sich Unternehmen wie Repsol SA, Shell, BP und Lundin Petroleum kürzlich Netto-Null-Emissionsziele gesetzt, die in den kommenden Jahrzehnten erreicht werden sollen. Ein Blick auf die begleitenden Szenarien zeigt jedoch, dass die Pläne in der Regel eine beträchtliche und kontinuierliche Nutzung von Öl und vor allem Gas (sowie von erneuerbaren Energien, Biokraftstoffen, Kernenergie und/oder Wasserstoff) vorsehen, wobei die hohen Emissionen durch künftige Kohlenstoffabscheidung, -nutzung und -speicherung, Kompensationen [einschließlich Aufforstung (AF)] und andere spekulative negative Emissionstechnologien (NETs) kompensiert werden (siehe Abschnitt 4.2). In ihrer jetzigen Form sind solche Szenarien unglaubwürdig, und die meisten verfehlen die Pariser Kohlenstoffbudgets. Dennoch ist es bezeichnend, dass mächtige Interessenvertreter ihre Positionen ändern können, wenn sie unter ausreichenden Druck von Investoren, Regulierungsbehörden und der Öffentlichkeit geraten.

Geopolitik und Militarismus

Obwohl sich die Forschung zum Thema Klimaschutz auf die meisten Disziplinen und Bereiche erstreckt, bleiben die Bedeutung und die Rolle der Geopolitik in den klimapolitischen Debatten mit wenigen Ausnahmen (52) seltsamerweise unterbelichtet. Diese Quelle der Behinderung liegt in den Verflechtungen zwischen globalen Machtstrukturen und dem Militarismus, der diese aufrechterhält, und manifestiert sich in globalem Extraktivismus, geopolitischem Wettbewerb um Energieressourcen und Ideologien der Kontrolle, die den Rahmen für die dominanten Reaktionen auf den Klimawandel bilden.

Von erster Bedeutung ist hier die intensive Globalisierung der Wirtschaft, die mit der Großen Beschleunigung nach 1940 einherging (12). Diese Form der Globalisierung, die zum Teil durch die vorherrschenden globalen militärischen Ordnungen geprägt wurde, basierte auf einer Architektur des Austauschs, die auf exportorientierten Wachstumsstrategien und Handelsliberalisierung beruhte. Die Internationalisierung der Produktion stützte sich auf fossile Energieträger-intensive Transportarten, Energienutzung und industrielle Landwirtschaft. Als solche verstärkte sie eingefahrene Muster des ökologisch ungleichen Austauschs (53), die auf historischen und zeitgenössischen kolonialen Formen des Extraktivismus und dem Export von Abfällen und der Verlagerung negativer Auswirkungen in ärmere Regionen der Welt beruhen.

Überlagert wird diese wirtschaftliche Globalisierung durch den geopolitischen Wettbewerb um die Kontrolle von Ressourcen wie Öl und Gas, die oft mit militärischer Gewalt gesichert werden, um die Infrastrukturen zu schaffen, die ihre Förderung ermöglichen (54). Von zunehmender Bedeutung sind in diesem Zusammenhang auch Landnahmen, bei denen wohlhabendere Staaten versuchen, Gebiete von ärmeren Staaten zu erwerben, um ihren eigenen Energie-, Nahrungsmittel- und Wasserbedarf zu decken, sowie “Green Grabs”, bei denen der Klimaschutz und andere umweltpolitische Rechtfertigungen zur Legitimierung solcher Aktionen herangezogen werden (55). Geopolitische Verschiebungen haben dazu geführt, dass die so genannten aufstrebenden Mächte China, Indien, Brasilien, Russland und Südafrika, die alle einen kohlenstoffintensiven Weg verfolgen, immer mehr an Bedeutung gewinnen. Ein bemerkenswertes Merkmal dieser Neuordnung der Macht ist, dass traditionell wohlhabendere Zentren wie die Vereinigten Staaten und Europa die kohlenstoffintensiveren Teile der Produktionskette in Länder wie China und Indien ausgelagert haben (56). Trotz gegenteiliger Behauptungen führt dies lediglich zu einer Verlagerung von Emissionen, anstatt sie zu reduzieren.

Ein zweites Problem ist, dass das Militär – trotz der vorherrschenden Kriegsrhetorik im Widerstand gegen den Klimawandel (57) – seit langem eine direkte, aber relativ vernachlässigte Rolle bei der Verursachung des Klimawandels spielt. Alltägliche Militäroperationen verursachen direkt enorme Emissionen von Treibhausgasen (58). Jüngste Untersuchungen haben ergeben, dass das US-Militär der weltweit größte institutionelle Verbraucher von Erdöl ist und mehr Treibhausgase ausstößt als die meisten mittelgroßen Länder (59). Wäre das US-Militär ein Land, stünde es an 55. Stelle der größten Treibhausgasemittenten der Welt, noch vor Portugal, Schweden und Dänemark (59).

Von der Verbrennung von Ölquellen in den Golfkriegen bis zur massenhaften Abholzung von Wäldern im Vietnamkrieg ist die Umweltzerstörung seit langem auch ein wirksames Instrument des Konflikts. Selbst wenn die großen Militärmächte den Klimawandel offiziell herunterspielen, haben sie sich aktiv positioniert, um in einer sich voraussichtlich radikal erwärmenden Welt einen Vorteil zu erlangen (60) – zum Beispiel im wachsenden Wettbewerb zwischen den USA und Russland um die Arktis (61). Der Klimawandel selbst wird weithin als ein wichtiger Faktor für den Druck künftiger Kriege anerkannt (62) und oft (manchmal problematisch) als Bedrohungsmultiplikator beschrieben (63). All dies zusammengenommen macht es schwer, Strategien für eine tiefgreifende Dekarbonisierung ins Auge zu fassen, die auf Systemebene nicht die Denkweisen und Praktiken in Frage stellen, die derzeit in globalen militärischen Institutionen verankert sind.

Eine dritte Gruppe von Hindernissen für eine Abschwächung bezieht sich darauf, wie militärisch fokussierte Denkweisen breitere Ideologien der Kontrolle erleichtern, die einen wichtigen Teil der Trägheit gegen eine kohlenstofffreie Transformation bilden. Die globalisierenden Formationen der industriellen Moderne, die in den letzten Jahrhunderten die Klimazerstörung vorangetrieben haben, werden wohl am deutlichsten von einer Reihe von Trugschlüssen, Fiktionen und Kontrollphantasien angetrieben. Diese wiederum beruhen auf Analogien zu Maschinen, erstrecken sich aber historisch über die Natur durch die Wissenschaft, Gesellschaften durch Bürokratien, Arbeit durch das Kapital, Territorien durch Kolonialismus – wobei eine neu ausgerufene Anthropozän-Epoche dies zunehmend auf die “Kontrollvariablen” der Erde selbst ausweitet (64). Im politischen Diskurs der Eliten, auf den Finanzmärkten und in den Vorstellungen der Bevölkerung wird eine starke Voreingenommenheit zugunsten der Kontrolle über konzentrierte Energiequellen und -technologien gegenüber dezentraleren Infrastrukturen und Praktiken ausgeübt (65). In dieser Hinsicht gibt es nur wenige Anwendungen, die mit militärischen Technologien konkurrieren können, da sie einen hohen Bedarf an konzentrierter Energie haben – zum Beispiel bei Sprengstoffen, Kampfflugzeugen, Orbitalplattformen, Schiffsantrieben und (in zunehmendem Maße) bei Waffen mit gerichteter Energie und neuen Formen der Energiebereitstellung auf dem Schlachtfeld (66). Darüber hinaus machen die militärischen Vorläufer vieler Schlüsseltechnologien des Geo-Engineering militärische Interessen zu einer der stärksten Triebfedern dieser aufkeimenden Ideologie der Planetenkontrolle (67, 68).

Die Erkenntnis, wie Narrative über die Kontrolle des Planeten die Debatte über den Klimawandel beeinflussen, wirft ein weiteres Problem auf. Dieses liegt in der engen Verflechtung der Infrastrukturen für fossile und nukleare Brennstoffe. Auf den ersten Blick mag dies kontraintuitiv erscheinen. Nukleartechnologien werden oft als Mittel dargestellt, um der Kohlenstoffbindung zu entkommen (69). Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch eine Reihe von Dynamiken, die den Effekt noch verstärken. Einer davon ist die Debatte über die oft überraschend hohen CO2-Emissionen der nuklearen Infrastrukturen. Ein wohl noch wichtigerer Faktor ist die inzwischen große und wachsende Diskrepanz zwischen der Kosteneffizienz und den allgemeinen strategischen Vorteilen von Strategien zur Verringerung der CO2-Emissionen durch Kernenergie im Vergleich zu alternativen kohlenstofffreien Wegen (70). Jüngste Analysen bestehender nationaler Energiemixe deuten auf einen negativen Zusammenhang zwischen der Intensität der nationalen Kernenergieverpflichtungen und der Wirksamkeit von Strategien zur Eindämmung des Klimawandels hin (71). Es ist auch offensichtlich, dass für einige die Verlockung von Atomwaffen die wichtigste Triebfeder für die Fortsetzung des Engagements im Bereich der Kernenergie ist (72). Die Verwendung von Klimaschutzargumenten als Deckmantel für militärische Vorherrschaft birgt nicht nur die Gefahr, dass die kohlenstofffreie Transformation verlangsamt wird, sondern gefährdet auch ihre Wirksamkeit. Es besteht die reale Gefahr, dass nukleare Infrastrukturen die Kultur der Kontrolle, die auch die globalen Infrastrukturen für fossile Brennstoffe aufrechterhält, eher verstärken als in Frage stellen (73).

Auf dieser breiteren Basis beruhen die meisten alternativen Visionen einer kohlenstofffreien Welt auf tieferen Überlegungen als der bloßen Substitution bestimmter Technologien oder Infrastrukturen. Ohne eine radikale Umgestaltung der langfristigen soziokulturellen und politisch-wirtschaftlichen Normen und Institutionen ist zu erwarten, dass sich die Abhängigkeiten von fossilen Brennstoffen einfach selbst reproduzieren (74). In dieser Hinsicht kann vielleicht die geopolitische Verankerung des globalen Militarismus, die lange Zeit so kennzeichnend für die Moderne war, als eines der wichtigsten Hindernisse für weitere Fortschritte auf dem Weg zu einer dekarbonisierten Zukunft angesehen werden. Dass der Kampf gegen diese weitreichenden und etablierten militärischen Interessen und Vorstellungen im internationalen Klimawandeldiskurs so vernachlässigt wird, ist vielleicht eines der wichtigsten Probleme in diesem Bereich.

WIRTSCHAFT, ABSCHWÄCHUNGSMODELLIERUNG UND ENERGIE (DER BEFÄHIGER-CLUSTER)

Die drei verschiedenen Blickwinkel innerhalb des Befähiger-Clusters untersuchen, wie orthodoxe Wirtschaftsschulen und die Finanzialisierung (Abschnitt 4.1), die vorherrschenden Formen von Minderungsmodellen (Abschnitt 4.2) und Energieversorgungssysteme (Abschnitt 4.3) dazu beigetragen haben, dass die globale Emissionskurve nicht gebogen werden konnte.

Wirtschaft und Finanzialisierung

Die Wirtschaftswissenschaften sind eine vielfältige Disziplin, die ein breites Spektrum heterodoxer Denkschulen vereint (z. B. ökologische, feministische, institutionelle, marxistische, postkeynesianische), aber von einer neoklassischen Orthodoxie dominiert wird, die sich auf Gleichgewichtstheorien stützt, die mit Hilfe eines deduktiven mathematischen Formalismus erstellt wurden. Im Gegensatz dazu betonen heterodoxe Schulen das Fehlen eines solchen Gleichgewichts und konzentrieren sich stattdessen auf dynamischen Wandel, starke Ungewissheit, Machtbeziehungen und soziale und wirtschaftliche Strukturen jenseits des aggregierten individuellen Handelns. Diese Konzepte verbinden sich zu einer deskriptiv-realistischen Theorie der politischen Ökonomie, die Ethik, Gleichheit und Gerechtigkeit einschließt. Die ökonomischen Schulen, ob orthodox oder heterodox, haben es jedoch im Allgemeinen versäumt, die biophysikalische Realität (d. h. die nichtmenschliche Welt, Ökosysteme, natürliche Ressourcen, Schadstoffe usw.) einzubeziehen (75). Eine bemerkenswerte Ausnahme ist die ökologische Ökonomie mit ihrer ausdrücklichen Einbeziehung von Physik, Energie, Stoffströmen und Ökosystemen (76).

In den letzten Jahrzehnten hat sich die neoklassische Mainstream-Ökonomie zunehmend mit dem Neoliberalismus verbündet, bei dem die Regierung zum Nutzen bestimmter Geschäftsinteressen reguliert und die Wirtschaft mit dem Marktkapitalismus gleichgesetzt wird (77). In diesem Rahmen besteht die Funktion der Makroökonomie darin, das kapitalakkumulierende Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten, während die Mikroökonomie behauptet, eine optimale (kosteneffiziente) Ressourcenallokation durch Preise zu erreichen, die von Akteuren auf unregulierten Märkten (d. h. preissetzenden Märkten) geschaffen werden. Folglich stärkt die Marktorthodoxie eine Wirtschaft des immerwährenden Wachstums, die durch den Marktaustausch angetrieben wird, ohne explizite Quellen oder Senken für Energie und Materialien.

Diese ideologische Vorstellung der freien Marktwirtschaft bildet zusammen mit einem vereinfachten physikalischen Klimamodell den Kern der integrierten Kosten-Nutzen-Bewertungsmodelle (IAMs) (für eine Diskussion über die komplexeren, prozessbasierten IAMs siehe Abschnitt 4.2). Diese einflussreichen Modelle, die häufig eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung der Klimaschutzpolitik spielen, stützen sich auf zwei Hauptvariablen: die globalen Durchschnittstemperaturen, die über eine Schadensfunktion mit monetären Verlusten verbunden sind [übersetzt in Konsumverzicht und gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP)], und die Verringerung der Treibhausgasemissionen (Klimaschutz), die mit einer Kostenfunktion verbunden ist. Eine Reihe umstrittener Annahmen ermöglicht es dann, verschiedene Schäden gleichzusetzen und die Vorteile der Vermeidung dieser Schäden gegen die Kosten der Abschwächung abzuwägen (78).

Die Verwendung von Geld als einzigem Wertmaßstab bedeutet, dass alles vergleichbar und damit handelbar gemacht wird. So wird Schaden mit Gut gleichgesetzt, und die Verursachung von mehr Schaden (z. B. Umweltverschmutzung) kann durch mehr Gut (z. B. Konsum) kompensiert werden. Katastrophale und irreversible Schäden werden als BIP-Konsumverluste spezifiziert, und höchst unsichere oder sogar ungewisse Zukünfte werden in probabilistische Risiken übersetzt (78). In den laufenden Debatten über den “richtigen” Preis der Zeit (d. h. die Abzinsungssätze) wird von einem kontinuierlichen Wirtschaftswachstum ausgegangen, das den Konsum von heute wertvoller macht als den von morgen (78). Diese Sichtweise hat zur Folge, dass politische Empfehlungen bevorzugt werden, die den Konsummöglichkeiten Vorrang vor dem Verlust von Leben, den Reichen vor den Armen und den heutigen vor den künftigen Generationen einräumen (78, 79). So sind Mainstream-Ökonomen wie Stern (80) und Nordhaus (81) in der Lage, “optimale Niveaus des Klimawandels” zu empfehlen, die mit einem ernsthaften Risiko extremer und unumkehrbarer Veränderungen der Lebensbedingungen auf der Erde einhergehen (82).

Im Rahmen dieser sauberen mathematischen Charakterisierung der Welt behaupten die Klimaökonomen, dass sie mit Hilfe der Kosten-Nutzen-Analyse “die Preise richtig gestalten” können, indem sie potenzielle Schäden (externe Effekte) in Geldwerte (soziale Kosten) umrechnen, die mit Hilfe von Genehmigungen und Steuern internalisiert werden können, damit die Märkte “Marktversagen” korrigieren (78, 83). Dieses Verständnis von Märkten lässt jedoch mehrere Tatsachen außer Acht. Märkte sind politisch regulierte institutionelle Prozesse, die weit von idealisiertem, vollkommenem Wettbewerb entfernt sind, und die Preise werden zwischen einer kleinen Anzahl mächtiger Makler ausgehandelt (84), was versteckte Subventionen beinhaltet, z. B. für Infrastruktur (siehe Abschnitt 4.3) und Militärtechnologien (siehe Abschnitt 3.3). Die Regierungen bieten Sicherheitsnetze und Rettungsaktionen für Unternehmen in Krisenzeiten an, indem sie eine Art öffentliche Versicherung anbieten, um private Gewinne zu ermöglichen (85). So konnten die Fluggesellschaften als Hauptverursacher von Emissionen als Anbieter von Arbeitsplätzen und Wirtschaftswachstum massiv expandieren. Gleichzeitig ist ihr Kerosin in der Regel steuerbefreit, und die öffentlichen Straßen- und Schienenverbindungen zu den Flughäfen werden quersubventioniert.

Ein Hauptgrund für das anhaltende Versäumnis, auf den Klimawandel zu reagieren, ist die Tatsache, dass die Märkte überwiegend oligopolistisch sind (d. h. von einer kleinen Anzahl von Anbietern beherrscht werden). Dadurch können die Preise kontrolliert werden, so dass sie von den Ressourcenkosten und der wirtschaftlichen Effizienz abgekoppelt sind. Darüber hinaus bietet der Wettbewerb auf den Märkten einen Anreiz, die Kosten auf andere abzuwälzen. In diesem Sinne ist der Klimawandel nicht das Ergebnis eines Marktversagens, sondern vielmehr das Resultat einer voll funktionsfähigen, kapitalakkumulierenden Wirtschaft, die hart daran arbeitet, die Kosten auf andere abzuwälzen (85), insbesondere auf diejenigen, denen es an Mitspracherecht oder Macht mangelt (wie den Armen, künftigen Generationen, Kindern und Nichtmenschen) (siehe Abschnitt 5.1). Innerhalb solcher Marktstrukturen wäre eine direkte Regulierung des wirtschaftlichen Produktions- und Konsumverhaltens ein “wirksames” Mittel zur Kontrolle der Umweltverschmutzung, aber das ist nicht das Hauptziel.

Das Scheitern der wenig regulierten Märkte wird durch die Förderung von Kohlenstoffmärkten als kosteneffizient noch verschärft. Dazu gehören der Verkauf von Offsets, der inzwischen zunehmend als eine Form naturbasierter Lösungen bezeichnet wird, und Emissionshandelssysteme (ETS), auch bekannt als Cap and Trade. Offsets wurden im Rahmen des Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung des Kyoto-Protokolls als “zertifizierte Emissionsreduktionsgutschriften” (Artikel 12) eingeführt, die es den Industrieländern ermöglichen, Emissionsminderungsprojekte in Entwicklungsländern auf ihre eigenen Emissionsziele anzurechnen. Offsets leiden unter zweifelhaften Annahmen über Äquivalenzen, wie z.B. die Verbrennung von Kohle (d.h. permanente Emissionsfreisetzung) mit der Anpflanzung von Bäumen (d.h. nur temporäre Sequestrierung). Ebenso ist der Zusatznutzen – z. B. die Annahme, dass die Bäume sonst nicht gepflanzt worden wären – bei den meisten Projekten nicht kalkulierbar (86). Das Kyoto-Protokoll führte auch zur Einrichtung des EU-Emissionshandelssystems, dem ersten internationalen Markt für Treibhausgasemissionen. Solche Systeme haben unter dem Fehlen einer echten Obergrenze, extremen Preisschwankungen, Spekulanten und Betrug gelitten (87, 88) und konnten keine nennenswerten Emissionsreduzierungen bewirken (89). Trotzdem werden die Kohlenstoffmärkte weiterhin stark gefördert. In Kalifornien und China gibt es bereits Emissionshandelssysteme, und das EU-Emissionshandelssystem wird im Rahmen des Green Deal der Europäischen Kommission ausgebaut. Zu den neuen internationalen Märkten für den Kohlenstoffausgleich gehören die Märkte für Emissionen aus der zivilen Luftfahrt und der Mechanismus für nachhaltige Entwicklung, der derzeit im Rahmen des Pariser Abkommens verhandelt wird.

Die Kohlenstoffmärkte sind Teil einer zunehmenden Finanzialisierung der Umwelt, die durch Initiativen wie die EU-Agenda für nachhaltige Finanzen noch verstärkt wird (90). Eine solche Finanzialisierung nutzt zunehmend Kosten-Nutzen-Analysen als Mittel, um klimapolitische Entscheidungen auf abstrakte monetäre Werte zu reduzieren, ehrgeizige Minderungsmaßnahmen auf den Zeitpunkt zu verschieben, an dem der Preis stimmt”, und Verteilungsfragen zu verdrängen. Trotz der zweifelhaften Geschichte der Bemühungen, die Umwelt zu finanzieren, wird jetzt eine neue Umweltanlageklasse geschaffen, die so genannte grüne Verbriefungen von Kohlenstoffkompensationen und Naturkatastrophenversicherungen umfasst – Katastrophenanleihen (91). Katastrophenanleihen sind eine Art Versicherungspolice und fördern die Risikobereitschaft, da theoretisch nach Zahlung der Prämie ein Katastrophenereignis abgesichert ist. Sie fördern nicht die Eindämmung des Klimawandels und sind Teil der Anpassungspolitik, da sie eher die Auswirkungen als die Ursachen des Klimawandels bekämpfen (91). Wie die Kohlenstoffmärkte haben auch die Katastrophenanleihen ihr Schutzversprechen bisher nicht erfüllt und werfen erhebliche ethische Bedenken auf, da sie die ohnehin schon ungleiche Verteilung der Klimaauswirkungen noch verschärfen (90).

In der gesamten politischen Landschaft haben sich Mainstream-Ökonomen aktiv an der Befürwortung von Märkten für fast alles beteiligt (83). Drei Jahrzehnte später deutet das Ausmaß des politischen Versagens darauf hin, dass eine wirksame Strategie zur Verwirklichung von Paris zwangsläufig eine paradigmatische Infragestellung der Hegemonie und der Dogmen des Wirtschaftswachstums, der preistreibenden Märkte und der Finanzialisierung der Umwelt erfordern wird (92).

Milderungsmodellierung

Wie aus Abschnitt 4.1 hervorgeht, ist die Frage, inwieweit bestimmte Erkenntnistheorien (d.h. Wissensphilosophien) und Forschungsansätze in den letzten Jahrzehnten Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels behindert haben, von zentraler Bedeutung. Hier wird die Verwendung von IAMs genauer betrachtet. Neben den oben erwähnten “einfachen” Kosten-Nutzen-Modellen (Abschnitt 4.1) gibt es eine zweite Kategorie von IAMs, die üblicherweise zur Untersuchung verschiedener Emissionspfade verwendet werden. Als gekoppelte sozioökonomische und biogeophysikalische Klimamodelle sind diese “komplexen” IAMs zu einem einflussreichen Merkmal der globalen Bewertungen geworden, die dem IPCC als Grundlage dienen, und werden in der Literatur zur Eindämmung des Klimawandels umfassend verwendet. Sie sind aus den szenariobasierten Energieanalysen hervorgegangen, die von Öl- und Gasunternehmen in den 1960er und 1970er Jahren entwickelt wurden, sowie aus den frühen Energiemodellierungsarbeiten, die am Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren durchgeführt wurden. Die heutigen IAMs für das globale Klima haben im Vergleich zu ihren Vorgängern an Komplexität gewonnen, bleiben aber strukturell mit ihrem Erbe der Energie-, Wirtschafts- und Landnutzungsmodellierung verbunden. Die Rolle und der Einfluss von IAMs in der Klimapolitik werden seit langem kritisch diskutiert, und Forderungen nach ergänzenden Ansätzen, die Unsicherheiten besser widerspiegeln und qualitative Dimensionen einbeziehen, gibt es schon seit vielen Jahrzehnten (93, 94). Da die Modelle immer komplexer und wohl auch einflussreicher werden, sind die Annahmen und inhärenten Unsicherheiten, die den aktuellen IAM-Szenarien zugrunde liegen, erneut auf den Prüfstand gestellt worden (95-97).

Einer der Hauptkritikpunkte an den IAMs ist die Art der Zukunft, die sie letztendlich darstellen und in den Vordergrund stellen. IAMs basieren auf der neoklassischen Wirtschaftstheorie und verwenden ein lineares und reduktionistisches Verständnis des gesellschaftlichen Wandels, das letztlich durch die kostenoptimierende Natur des Modells und sein eingebautes Ziel, Abmilderungsmaßnahmen zu vermeiden, die finanziell störend wären, eingeschränkt wird (siehe Abschnitt 4.1). IAMs neigen dazu, groß angelegte, einfache technologische und marktorientierte Lösungen zu bevorzugen und sind im Allgemeinen nicht in der Lage, Faktoren zu erfassen, die weniger leicht zu modellieren oder zu quantifizieren sind. Systemische, unsichere oder umstrittene Aspekte – oft im Zusammenhang mit sozialen, politischen und ethischen Fragen und Abwägungen zwischen verschiedenen Minderungsmaßnahmen – werden eher nicht berücksichtigt (95). Obwohl die Modellergebnisse eher einen explorativen als einen präskriptiven Charakter haben sollen, tendieren sie daher dazu, eine enge Auswahl an technologischen Optionen zur Emissionsreduzierung zu betonen, wobei Optionen auf der Nachfrageseite oder weitreichendere Veränderungen der sozioökonomischen Strukturen in der Regel nur begrenzt berücksichtigt werden (98, 99).

Da die politischen Forderungen nach ehrgeizigeren Klimaschutzmaßnahmen in den letzten Jahrzehnten immer lauter wurden, hat eine Reihe von technologisch ausgerichteten Antworten an Einfluss gewonnen, wie am Beispiel der Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) zu sehen ist. Modellvergleichsstudien haben gezeigt, dass CCS in den Szenarien zur Eindämmung des Klimawandels eine zentrale Rolle spielt (100), obwohl die Technologie noch nicht sehr weit verbreitet ist. Seit dem vierten IPCC-Bewertungsbericht stützen sich die IAMs in hohem Maße auf die großmaßstäbliche Beseitigung von Kohlendioxid (CDR) bzw. auf negative Emissionen. Bisher haben die IAMs zwei Formen der CDR umfasst: Aufforstung (AF) und Bioenergie mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (BECCS), wobei an der Einbeziehung anderer Ansätze (wie der direkten Abscheidung und Speicherung in der Luft) gearbeitet wird. Sowohl BECCS als auch AF sind mit einem hohen Maß an Unsicherheit behaftet. BECCS wurde bisher noch nicht im kommerziellen Maßstab eingesetzt, und bei den sehr großen Maßstäben, die in den modellierten Pfaden dargestellt werden, werfen beide Ansätze erhebliche Bedenken hinsichtlich der Durchführbarkeit, der Wirksamkeit und der potenziell weitreichenden negativen Folgen auf (101, 102).

Die jüngste Einbeziehung großmaßstäblicher CDR-Technologien hat eine lebhafte Diskussion darüber entfacht, inwieweit die Ergebnisse von IAM die Bedingungen für die Debatte über die Abschwächung von Treibhausgasemissionen vorgeben und die Arten der Abschwächung beeinflussen, die politisch für möglich gehalten werden, sowie diejenigen, die nicht möglich sind (103). Kritiker behaupten, dass die Modellierung unweigerlich zahlreiche Werturteile und Annahmen beinhaltet und die Modellergebnisse mit politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen verknüpft, die hinter einer scheinbar objektiven Methodik verborgen bleiben (96). In Anbetracht ihrer zentralen Rolle bei der Information über die Politik zur Eindämmung des Klimawandels gestalten IAMs aktiv die Zukunft, indem sie implizite Entscheidungen über die Art von Politik und Technologien treffen, die zur Erreichung der Klimaziele notwendig sind (104). Jüngste Versuche, solchen Bedenken Rechnung zu tragen, haben versucht, das Spektrum der in IAMs untersuchten Minderungsoptionen zu erweitern, beispielsweise durch die Entwicklung von Szenarien, die BECCS ausschließen oder eine Verringerung der Energienachfrage untersuchen (105, 106). Nichtsdestotrotz macht die subjektive Natur der Modellannahmen weiterhin darauf aufmerksam, wer an den Modellierungspraktiken beteiligt ist und wer nicht. Die Modellierung integrierter Bewertungen wird eindeutig von Forschungsgruppen aus dem globalen Norden dominiert, was die Frage aufwirft, wessen Annahmen und Interessen in den Modellen vertreten werden (107).

Es gibt weit verbreitete Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen, die hypothetische und höchst unwahrscheinliche technologische Versprechen auf die Klimaziele haben könnten. Die künftige Option einer groß angelegten CDR liefert eine Rechtfertigung für eine schrittweise Klimapolitik, die sich an der bisherigen Praxis orientiert, und verhindert so eine politische Abrechnung mit dem historischen Scheitern bei der Begrenzung der Emissionskurven und schließt damit eine Änderung der politischen Richtung aus (108). Indem das CDR eine Überschreitung des Kohlenstoffbudgets zulässt, verspricht es, die Dringlichkeit der Emissionsreduzierung zu verringern und damit ein moralisches Risiko oder eine Form der “Abschreckung durch Minderungsmaßnahmen” zu schaffen (109). Während dieser Effekt in den Modellergebnissen eindeutig zu beobachten ist, bleibt sein Vorhandensein in den politischen Ergebnissen umstritten. Nichtsdestotrotz gibt es offensichtliche politische und wirtschaftliche Anreize für den Einsatz der Kohlenstoffabscheidung als Alternative zu strengeren kurzfristigen Reduktionen, und man kann zahlreiche Präzedenzfälle dafür finden, wie Interessengruppen in der Vergangenheit technologische Versprechen (wie CCS) projiziert und verfolgt haben, um die fortgesetzte Nutzung fossiler Brennstoffe zu rechtfertigen (110). Der Einsatz von CDR kann jedoch eine vertretbare Strategie im Zusammenhang mit schwer abbaubaren Emissionen, z. B. im Agrarsektor, sein. Diese Befürchtungen werden durch das jüngste Konzept der Netto-Null-Emissionen konkretisiert, das sowohl einen Bedarf für künftige CDR schafft als auch aufgrund von CDR denkbar ist. Die Zweideutigkeit ergibt sich aus den Netto-Klimazielen, die das Risiko einer problematischen Substitution von kurzfristigen durch zukünftige Emissionsreduzierungen mit sich bringen. Mit strengen vereinbarten Grenzen für das Ausmaß und den Umfang der CDR könnte die Netto-Null-Zielsetzung jedoch dazu beitragen, die Bemühungen um eine Emissionsreduzierung so nahe wie möglich an Null zu vereinheitlichen.

Insgesamt ist das Vertrauen auf groß angelegte CDR in IAMs Teil einer breiteren Kultur des technologischen Optimismus und einer begrenzten technisch-ökonomischen Rationalität, die die politische Entwicklung der letzten 30 Jahre untermauert hat (111). Dies hat zu einem bequemen Diskurs geführt, der die bestehenden klimapolitischen Ansätze bestätigt, während eine Reihe von vorgeschlagenen Alternativen an den Rand gedrängt werden. Da das Ausmaß und die Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen zunehmen und die globalen Kohlenstoffbudgets knapper werden, könnte der Druck, sich auf Ansätze wie CDR zu verlassen, weiter steigen. Um das Risiko zu mindern, dass CDR als zwanghafte und wirksame Verzögerungstaktik missbraucht wird, ist es wichtiger denn je, dass der Einsatz von IAMs von einem breiten Spektrum an Ansätzen und Perspektiven begleitet wird. Diese können von deliberativen partizipativen Methoden (siehe 95) über alternative Wirtschaftsmodelle (siehe Abschnitt 4.1) bis hin zu sehr unterschiedlichen Interpretationen möglicher und wünschenswerter Zukünfte (siehe Abschnitt 5.3) reichen. Ein besseres, umfassenderes Verständnis der Möglichkeiten und Grenzen der vorgeschlagenen Klimalösungen ist dringend erforderlich, um eine ehrliche, pluralistische und besser informierte Entscheidung über die Realitäten unseres zukünftigen Klimas zu fördern.

Energieversorgungssysteme

Während der gesamten Menschheitsgeschichte waren die wichtigsten Energiequellen, die Gesellschaften antrieben, Menschen, Tiere und Biomasse (112). Erst in den letzten 200 Jahren hat sich dies deutlich geändert, wobei das globale Energiesystem zunehmend von energiereichen fossilen Brennstoffen dominiert wird: zuerst Kohle, dann Öl und schließlich Gas (Abbildung 2a). Auf globaler Ebene war die Entwicklung der verschiedenen fossilen Energieträger keine Geschichte der Substitution, sondern eher eine Geschichte der Addition, die zu einem raschen Anstieg des Gesamtenergieverbrauchs führte. Verschiedene nicht fossile Energiequellen haben zu diesem Wachstum beigetragen, von der Wasserkraft über die Kernenergie bis hin zu den erneuerbaren Energiequellen auf der Grundlage von Sonne und Wind. Trotz des Aufkommens kohlenstoffarmer Technologien wird die Energieversorgung weiterhin von fossilen Energieträgern dominiert (Abbildung 2b). In den letzten Jahren ist der Beitrag der modernen erneuerbaren Energien zum weltweiten Energieverbrauch zwar rasch gestiegen, aber er ist immer noch viel geringer als der der dominierenden fossilen Energieträger und hat bisher in erster Linie zur Gesamtenergieversorgung beigetragen, anstatt die fossilen Brennstoffe absolut zu verdrängen.

Abbildung 2 Das globale Energiesystem von 1750 bis heute mit (a) absoluter Primärenergieversorgung, (b) Anteil an der Primärenergieversorgung und (c) dem Logarithmus der Primärenergieversorgung. Die Daten stammen aus der Primärenergie-, End- und Nutzenergiedatenbank des International Institute for Applied Systems Analysis von 1900 bis 2015 (188), die mit Hilfe des British Petroleum Statistical Review of World Energy (189) bis 2019 fortgeschrieben wurde, sowie für Bioenergie (190) und fossile Brennstoffe unter der Annahme konstanter impliziter Emissionsfaktoren, die auf den Datensatz des Global Carbon Project (191) angewandt wurden, in die Vergangenheit. Um den Datensatz zu vervollständigen, wurde angenommen, dass die Bioenergie vor 1850 und die Bioenergie und die geothermische Energie nach 2015 konstant waren. Die menschliche Energie wurde vor 1900 nicht berücksichtigt, wo sie einen relativ großen Einfluss gehabt haben könnte.

Die Erkenntnis, dass es bisher noch keine kommerziell genutzte Energiequelle gab, die eindeutig ihren Höhepunkt erreicht hat und dann zugunsten einer anderen Quelle zurückgegangen ist, ist der Schlüssel zum Verständnis, warum die Emissionen hartnäckig hoch geblieben sind. Trotz ihrer Ineffizienz und der lokalen gesundheitlichen Folgen ist die herkömmliche Biomasse in den letzten zwei Jahrhunderten fast konstant geblieben und wird in armen Teilen der Welt, wo Alternativen teuer sind, immer noch häufig genutzt (113). Einiges deutet darauf hin, dass der Kohleverbrauch weltweit seinen Höhepunkt erreicht haben könnte, da moderne erneuerbare Energieträger wettbewerbsfähig werden und weniger lokale Umweltverschmutzung verursachen und das Streben nach einem saubereren Energiesystem an Dynamik gewinnt (114). Die Kernenergie verzeichnete anfangs ein rasches Wachstum, das jedoch inzwischen nachgelassen hat, da die Technologie aufgrund des öffentlichen Widerstands und der Kosten weniger attraktiv geworden ist. Der Ölverbrauch nimmt weiter zu und könnte ohne größere politische Maßnahmen erst in den 2030er Jahren seinen Höhepunkt erreichen (114). Der Gasverbrauch zeigt in den letzten Jahren Anzeichen eines beschleunigten Wachstums (115) und dürfte ohne politische Maßnahmen weiter zunehmen, insbesondere wenn Kohle durch Gas ersetzt wird. Die COVID-19-Pandemie hat im Jahr 2020 zu dramatischen Veränderungen im globalen Energiesystem geführt, aber da es keine explizite politische Agenda gibt, die auf solchen Veränderungen aufbaut, ist es unwahrscheinlich, dass sie die Trends aus der Zeit vor COVID grundlegend verändern wird (114).

Die Geschichte hat gezeigt, dass das anfängliche Wachstum neuer Energieversorgungstechnologien nahezu exponentiell verläuft, bevor es entweder zu einem eher linearen Wachstum oder zu einem langsameren exponentiellen Wachstum übergeht (Abbildung 2c). Dies vermittelt den Eindruck, dass sich Energiesysteme nur langsam verändern (116) und dass neue Energiequellen nur begrenzt oder langsam in der Lage sein werden, fossile Brennstoffe zu ersetzen (112). Historisch gesehen handelt es sich bei den meisten technischen Übergängen um einen Prozess, bei dem eine neue Technologie auftaucht und in unterschiedlichem Tempo eine ältere, redundante Technologie verdrängt (98). Das Energieversorgungssystem steht in gewissem Maße im Gegensatz dazu, da es mit dem Aufkommen und der langsamen Verbreitung neuer Energieversorgungstechnologien weiter gewachsen ist. Diese historischen Beobachtungen bieten jedoch nur begrenzte Einblicke in die Möglichkeiten einer Energiewende, die ausdrücklich durch robuste politische Interventionen beschleunigt wird und die nachfolgende Rückkopplungen bei Verhaltensänderungen und Technologieentwicklung katalysiert.

Es ist klar, dass viele Technologien die Fähigkeit haben, schnell zu wachsen, wie die Kernkraft in den 1970er und 1980er Jahren, die Kohle in China in den 2000er Jahren oder die Solar- und Windenergie in den 2010er Jahren. Diese schnellen Expansionen haben das bestehende Angebot erweitert und damit eine neue und zusätzliche Energienachfrage ermöglicht. Wenn politische Maßnahmen eine höhere Energieeffizienz und den frühzeitigen Ausstieg aus kohlenstoffreichen Energiequellen fördern, könnten sich neue Technologien viel schneller im Energiesystem verbreiten und einen größeren Anteil an der gesamten Energieversorgung übernehmen (114, 117, 118). Wichtig ist, dass viele globale Energie- und Klimaschutzszenarien hinsichtlich des Einsatzes erneuerbarer Energien sehr konservativ waren (119), was das Potenzial ehrgeiziger Klimaschutzmaßnahmen unterstreicht, einen raschen Einsatz kohlenstoffarmer Energieträger in einem Tempo voranzutreiben, das weit über das hinausgeht, das die derzeitigen Modelle vorsehen. Die Szenarien zur Eindämmung des Klimawandels erfordern in der Regel einen erheblichen Ausstieg aus alten Energiesystemen, insbesondere aus der Kohle (120). In der Tat zeigen viele Studien, dass es ausreichen würde, die bestehenden fossilen Anlagen bis zu ihrem voraussichtlichen Lebensende laufen zu lassen, um das Kohlenstoffbudget zu überschreiten, das notwendig ist, um die Emissionen sowohl unter 1,5°C als auch unter 2°C zu halten (114, 121, 122). Daher ist eine frühzeitige Stilllegung oder Umnutzung der Energieinfrastruktur erforderlich, um die Pariser Verpflichtungen zu erfüllen, selbst wenn eine groß angelegte und fragwürdige CDR vorhanden ist (123). Ohne die erfolgreiche Entwicklung und den Einsatz von CDR in großem Maßstab erhöht sich das Tempo und der Umfang des Ausstiegs aus der Nutzung fossiler Brennstoffe, der zur Erfüllung des Pariser Abkommens erforderlich ist, erheblich (124).

Bislang haben die meisten Energiesystemmodelle den notwendigen Umfang des Ausstiegs aus der Infrastruktur nicht berücksichtigt und gleichzeitig die Kostensenkungen bei den erneuerbaren Energien nicht vollständig erfasst (119). Auch die Dynamik des Stromsystems wird in den Modellen häufig nicht berücksichtigt, wodurch die Geschwindigkeit der Transformation der Energiesysteme unangemessen begrenzt wird (125). Erschwerend kommt hinzu, dass in vielen Modellen Pfade mit einem hohen Anteil an nachgerüsteten und neuen CCS- und CDR-Technologien bevorzugt wurden, wodurch das Ausmaß der Stilllegungen effektiv begrenzt wurde (123, 126). Es fehlt nach wie vor an systematischen Analysen von Szenarien, die von einem geringen Einsatz solcher Technologien ausgehen (105, 106, 127), was zwangsläufig Auswirkungen auf die Ausstiegsraten hat. Da die Dynamik der Stilllegungen in vielen Studien nur eine untergeordnete Rolle spielt, wird das Ausmaß der Stilllegungen, die in den Modellen entwickelt wurden, nur selten berichtet oder in den Begleitpapieren detailliert beschrieben.

Bei der Betrachtung künftiger Energieversorgungsszenarien ist es von entscheidender Bedeutung, das Ausmaß der vorgeschlagenen CCS- und CDR-Maßnahmen, der Netto-Energieeffizienzverbesserungen und der Stilllegung von Energieinfrastrukturen zu verstehen. Diese Faktoren können entweder die Bindung an fossile Brennstoffe verlängern oder eine kohlenstoffarme Energiewende fördern. Die historische Dynamik deutet darauf hin, dass jede neue Energiequelle die andere ergänzt, was zu Projektionen eines weiterhin hohen Verbrauchs fossiler Brennstoffe und eines relativ langsamen Einsatzes erneuerbarer Energien führt (116). IAMs zeigen trotz ihrer Schwächen (siehe Abschnitt 4.2), dass eine politikgesteuerte Energiewende im Einklang mit dem Pariser Abkommen die frühzeitige Stilllegung bestehender kohlenstoffintensiver Energiequellen erfordert. Die Geschwindigkeit dieser Stilllegung hängt von den Annahmen über die relativen Kosten und die Gewichtung der Stilllegung gegenüber den Alternativen (Nachrüstung oder CDR) sowie von der Höhe und Zusammensetzung der Energienachfrage ab. Historische Präzedenzfälle zeigen, dass die nichtfossilen Energieträger das reale Potenzial haben, viel schneller zu wachsen, als üblicherweise angenommen wird (128), was wiederum von der Höhe und Zusammensetzung der Energienachfrage abhängt. Obwohl es wahrscheinlich Grenzen für die Geschwindigkeit der Energiewende geben wird, müssen diese Grenzen erst noch beobachtet werden.

GLEICHHEIT, LEBENSSTILE UND VORSTELLUNGEN (STRAUSSEN- UND PHÖNIX-CLUSTER)

Die letzte Gruppe von drei verschiedenen Linsen bildet das Strauß- und Phönix-Cluster, das die zugrunde liegende Dynamik der Ungleichheit (Abschnitt 5.1), die Psychologie und die sozialen Praktiken kohlenstoffintensiver Lebensstile (Abschnitt 5.2) und die sozialen Vorstellungen von einer kohlenstofffreien Zukunft (Abschnitt 5.3) untersucht. Diese zeigen sowohl Hindernisse als auch mögliche Möglichkeiten auf, um die tiefgreifende Transformation der Gesellschaft zu erreichen, die notwendig ist, um den Klimawandel zu begrenzen und die globale Emissionskurve zu beugen.

Ungleichheit

Das Ausmaß der Ungleichheiten zwischen denjenigen, die am meisten für die Verursachung des Klimawandels verantwortlich sind, und denjenigen, die am stärksten von seinen Auswirkungen betroffen sind, ist so groß, dass es kaum zu ermessen ist. Die reichsten 1 % der Weltbevölkerung sind für doppelt so viele Emissionen verantwortlich wie die ärmste Hälfte (2). Ihr Kohlenstoff-Fußabdruck ist mehr als 100-mal größer, was ihrem höheren Konsum, ihrem Wohlstand und ihrem politischen Einfluss entspricht (2). Diese großen Ungleichheiten spiegeln sich auf nationaler Ebene wider (129) und sind strukturell mit den vorherrschenden Formen der politischen Entscheidungsfindung und der wirtschaftlichen Verteilung verbunden. Armen und marginalisierten Bevölkerungsgruppen – sowohl weltweit als auch innerhalb der einzelnen Länder – fehlt es an den grundlegenden Fähigkeiten, die für eine Anpassung an die derzeitige Erwärmung erforderlich sind. Darüber hinaus ist die Marginalisierung dieser Gemeinschaften in der Regel mit den Prozessen verbunden, die den Klimawandel verursachen, einschließlich Kolonialismus, Enteignung von Ressourcen (oft bei gleichzeitiger Verschlechterung der ökologischen Ressourcen, die die lokale Lebensgrundlage bilden) und Kapitalakkumulation auf der Grundlage fossiler Brennstoffe (130, 131).

Es ist eine umfangreiche Literatur zum Thema Klima(un)gerechtigkeit entstanden, die sich größtenteils auf die UNFCCC und ihre grundlegenden Prinzipien der Gerechtigkeit und CBDR&RC konzentriert (132-134). Trotz des anhaltenden Drucks, der vor allem von den Ländern des globalen Südens ausgeübt wird, hat die UNFCCC jedoch kein Regime geschaffen, das in der Lage wäre, dem Ausmaß der klimabedingten Ungerechtigkeiten Rechnung zu tragen (siehe Abschnitt 3.1). Ein Beispiel dafür ist die Globale Bestandsaufnahme im Rahmen des Pariser Abkommens, die “im Lichte der Gerechtigkeit” (135, Artikel 14, S. 18-19) durchgeführt werden soll, aber die Aussichten für dieses Unterfangen werden durch die Tatsache behindert, dass jede Bewertung den “kollektiven Fortschritt” (135, S. 18) und nicht den Fortschritt der einzelnen Länder betrifft.

Während die Diskussionen über die Gerechtigkeit im globalen Klimaregime zwangsläufig weitergehen werden, kann Ungerechtigkeit auch als eine Triebkraft angesehen werden, die die Klimamaßnahmen systematisch untergräbt. Mit Unterstützung der gesichteten Literatur werden drei sich gegenseitig verstärkende Mechanismen identifiziert: erstens, dass Ungerechtigkeit die Schwachen von den Mächtigen abkoppelt, zweitens, dass Ungerechtigkeit das für kollektives Handeln erforderliche soziale Vertrauen untergräbt und drittens, dass Ungerechtigkeit die Präferenz der Eliten für einen klimafeindlichen Status quo verstärkt. Jeder dieser Punkte wird im Folgenden kurz erörtert.

Was den ersten Mechanismus betrifft, so hat auf internationaler Ebene das räumliche und wirtschaftliche Gefälle zwischen denjenigen, die den Klimawandel weitgehend verursacht haben, und denjenigen, die für ihn am anfälligsten sind, die wahrgenommene Notwendigkeit globaler Maßnahmen untergraben. Die Anhäufung von Schäden in den am wenigsten wohlhabenden Ländern mit der geringsten internationalen Verhandlungsmacht hat dazu geführt, dass in den wohlhabenden Ländern mit hohem Schadstoffausstoß “business as usual” weitergeführt werden kann (136). Die fortgesetzte gesellschaftliche Toleranz gegenüber den ungleichen Schäden der Wirtschaft mit fossilen Brennstoffen hat auch dazu beigetragen, dass im Inland keine Maßnahmen gegen den Klimawandel ergriffen wurden. Bis heute werden diese Schäden unverhältnismäßig stark von Menschen mit niedrigem Einkommen, farbigen Menschen und indigenen Völkern getragen, während diejenigen, die wohlhabend, typischerweise weiß und enger mit der Regierung und der Macht der Unternehmen verbunden sind, in der Lage waren, die Kosten zu vermeiden, während sie sich die Vorteile aneigneten. Diese Verflechtung von Schaden und Vermeidung ist nur aufgrund der anhaltenden politischen und sozialen Segregation möglich (137). Dass sich mächtige und wohlhabende Gruppen eher für persönlichen Schutz entscheiden als für gemeinsame Maßnahmen, die den Nutzen für die Allgemeinheit sichern, hat sich bereits in der Besorgnis über exklusive Anpassungen gezeigt, die die Privilegierten auf Kosten der Schwächsten schützen (138).

Die Fähigkeit der Ungleichheit, lebensbedrohlichen Schaden in marginalisierten Gemeinschaften zu konzentrieren, scheint eine zentrale Rolle bei sozialen Umwälzungen, einschließlich der Finanzkrise 2008 (139), sowie bei gesellschaftlichen Zusammenbrüchen gespielt zu haben (140). Extreme Ungleichheit kann es denjenigen, die über wirtschaftliche und politische Macht verfügen, auch ermöglichen, sich vor den negativen Folgen ihrer Entscheidungen und Handlungen zu schützen, selbst wenn diese der Mehrheit schaden. Diese Abkopplung der Mächtigen von den Schwachen unterbricht Kommunikationsmechanismen, die andernfalls die Notwendigkeit einer wirksamen Reaktion signalisieren könnten, und verzögert so das Handeln weiter.

Ein zweiter Mechanismus, durch den Ungleichheit Klimaschutzmaßnahmen untergräbt, ist die Verringerung des sozialen Vertrauens in kooperatives Handeln. Zahlreiche Studien haben gezeigt, wie wichtig Regeln sind, die der Ungerechtigkeit gewisse Grenzen setzen und das soziale Vertrauen stärken, um die Herausforderungen im Zusammenhang mit den Gemeingütern erfolgreich zu meistern (141). Ein gewisses Maß an Fairness wird weithin als wesentlicher Bestandteil einer politisch durchsetzbaren Innenpolitik verstanden (142). Auf internationaler Ebene hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich Länder nicht auf ein Abkommen einlassen werden, das sie nicht als “fair genug” empfinden (143, 144). Auf allen Ebenen wird die Beachtung der Ungerechtigkeit zu einer politischen Notwendigkeit, um einen wirksamen und rechtzeitigen Klimaschutz zu ermöglichen.

Ein dritter Mechanismus schließlich beschreibt, wie Ungleichheiten in der wirtschaftlichen und politischen Macht es denjenigen, die vom Status quo profitieren, ermöglicht haben, ihre Interessen zu schützen. Wie oben erörtert (siehe Abschnitt 3.2), kann dies offen behindernde Formen annehmen, z. B. wenn Unternehmen, die in die Wirtschaft mit fossilen Brennstoffen verstrickt sind, Think Tanks finanzieren, um die Öffentlichkeit in die Irre zu führen (145), wenn sie sich in der Politik engagieren, um Klimaschutzmaßnahmen zu verhindern (146), oder wenn sie Rechts- und Regulierungssysteme so gestalten, dass sie eine unverhältnismäßig große Macht über die nationale Politik erhalten (147). Eine subtilere, aber ebenso heimtückische Blockade erfolgt über eine Vielzahl von Wegen, um eine unverhältnismäßige Aneignung der planetarischen Ressourcen zu schützen. Auf internationaler Ebene zeigt sich diese Dynamik in der im Kyoto-Protokoll, in der Kopenhagener Vereinbarung und im Pariser Abkommen verankerten Annahme, dass jede Diskussion über Emissionsreduzierungen auf einer prozentualen Verringerung gegenüber den derzeitigen Emissionen beruht. Durch diese Annahme wird die Abweichung vom Status quo als die zu teilende Last angesehen und nicht die Lasten des Status quo selbst (148). In ähnlicher Weise ist unter den globalen und nationalen Eliten ein kohlenstoffreicher Lebensstil zu einem Anspruch geworden, der durch Normalisierung geschützt wird (149). Infolgedessen erhalten regressive klimapolitische Optionen – wie eine allgemein geltende Kohlenstoffsteuer – viel mehr Aufmerksamkeit als progressivere Optionen, wie z. B. Anreize für häufiges Fliegen, das Fahren von SUVs, den Bau großer Häuser oder den Besitz mehrerer Autos (ganz zu schweigen vom Besitz von Villen und Privatjets). Solche Muster sind sogar in den Handlungen derjenigen von uns zu erkennen, die sich mit dem Klimawandel befassen. Sie werden explizit oder implizit gerechtfertigt, z. B. durch den Rückgriff auf “business as usual” und bestehende Ansprüche, die in vergleichende Baselines eingebettet sind, die Verwendung hoher Abzinsungssätze und Annahmen, die technische Minderungsmaßnahmen gegenüber persönlichen Lebensstil- und Verhaltensänderungen oder marktbasierte Lösungen gegenüber Umverteilungslösungen bevorzugen (siehe Abschnitte 4.1 und 5.2).

Die mangelnde Bereitschaft der Mächtigen, sich eine Welt vorzustellen, in der ihr/unser kohlenstoffreicher Lebensstil und andere “Privilegien” nicht mehr aufrechterhalten werden, hat die Klimaschutzmaßnahmen stetig untergraben und ist nur aufgrund der tiefen Ungerechtigkeit möglich, die der Klimakrise zugrunde liegt. Dass mächtige Gruppen einen zutiefst ungerechten Status quo einem stabilen Klima vorziehen, wurde deutlich, als der Sonderbeauftragte für den Klimawandel von Präsident Obama, Todd Stern, seinen Verhandlungspartnern im Vorfeld des Pariser Abkommens ein Ultimatum stellte: “Wenn Gerechtigkeit drin ist, sind wir raus” (150).

Kohlenstoffreiche Lebensstile

Trotz des weit verbreiteten öffentlichen Bewusstseins für den Klimawandel (151) halten sich kohlenstoffintensive Lebensstile hartnäckig, insbesondere bei einflussreichen Gruppen in den Industrieländern und zunehmend auch bei wohlhabenderen Gemeinschaften in Ländern mit niedrigem Einkommen (2). Die unzureichenden Reaktionen der Gesellschaften können zum Teil auf psychologische Faktoren zurückgeführt werden, wie die begrenzte Fähigkeit, den Klimawandel zu begreifen und Reaktionen darauf zu formulieren (siehe auch Abschnitt 5.3), aber auch auf die Routine des Konsums und die komplexe Beziehung zwischen individuellem Handeln und soziotechnischen Systemen.

Grundlegende Merkmale der menschlichen Psychologie können die Wahrnehmung der persönlichen Relevanz und Bedeutung des Klimawandels einschränken und sowohl das Handeln als auch die Verinnerlichung des Problems begrenzen. Kognitive Abkürzungen, die sich über Jahrtausende entwickelt haben, machen uns in vielerlei Hinsicht ungeeignet, den Klimawandel wahrzunehmen und darauf zu reagieren (152). Dazu gehört die Tendenz, zeitlich verzögerten und räumlich entfernten Risiken weniger Bedeutung beizumessen und Informationen, die unserer Identität oder Weltanschauung widersprechen, selektiv herunterzuspielen (153). Die Risikowahrnehmung stützt sich auf Intuition und direkte Wahrnehmungssignale (z. B. eine unmittelbare, greifbare Bedrohung), während der Klimawandel für die meisten Haushalte mit hohen Emissionen im Globalen Norden in dieser Form nicht in Erscheinung tritt, es sei denn, es handelt sich um lokale Erfahrungen mit extremen Wetterereignissen. Dort, wo starke Besorgnis besteht, ist diese in der Regel mit der Sorge um andere (154) und dem Wissen über die Ursachen und möglichen Folgen des Klimawandels verbunden (155).

Die Verhaltensperspektive betrachtet Emissionen als das Ergebnis der Handlungen vieler Einzelpersonen durch den Konsum von Produkten und Ressourcen. Aus dieser Sicht werden persönliche Handlungen, die für den Klimaschutz von Bedeutung sind, durch psychologische (z. B. umweltfreundliche Werte und Identität), kontextuelle (z. B. kulturelle Normen) und strukturelle Faktoren (z. B. die bauliche Umwelt) bestimmt (154). Doch obwohl diese Faktoren in der wissenschaftlichen Literatur und in der Politik anerkannt werden, waren die Versuche, das Verhalten der Menschen zu beeinflussen, nur begrenzt erfolgreich und erreichten nur selten das zur Emissionsreduzierung erforderliche Ausmaß (156). Auch wenn der Einzelne die Relevanz persönlichen Handelns erkennt und versucht, mit guten Absichten zu handeln, zeigen Versuche, klimafreundlich zu sein, in der Regel wenig Zusammenhang mit objektiveren Messungen der Umweltauswirkungen. Selbst denjenigen, die über den Klimawandel besorgt sind, gelingt es oft nicht, dies in sinnvolle Änderungen des Lebensstils umzusetzen (157). Der allgemeine Mangel an Aufmerksamkeit für wirkungsvollere persönliche Handlungen wird durch einen langjährigen öffentlichen Diskurs untermauert, der relativ triviale Verhaltensweisen normalisiert und hervorhebt (z. B. Licht ausschalten und Wäsche bei 30°C waschen) (157, 158).

Viele kohlenstoffintensive Aktivitäten sind zudem stark routiniert. Aus psychologischer Sicht trägt dies die Merkmale gewohnheitsmäßigen Verhaltens, da umweltrelevante Handlungen oft stabil und beständig sind und eine automatische Reaktion auf bestimmte Kontexte darstellen (159), z. B. das wiederholte Pendeln mit dem Auto über viele Monate oder Jahre. Theorien der sozialen Praxis bieten eine kontrastierende Darstellung, in der Routinen mit Infrastrukturen, Kompetenzen, Konventionen und Erwartungen koevolvieren (160). So haben beispielsweise Entwicklungen in der städtischen Infrastruktur, Alltagsroutinen und die sich verändernde gesellschaftliche Bedeutung des Individualverkehrs dazu geführt, dass das Auto zum dominierenden Mobilitätsmittel geworden ist (161). Andernorts haben koordinierte Entwicklungen in allen Produktions- und Konsumsphären dazu geführt, dass die Gefriertruhe als häusliche Notwendigkeit angesehen wird (162), und veränderte Muster der häuslichen Arbeit und Verschiebungen hin zu einer sitzenden Freizeitgestaltung haben zum Anstieg der Temperaturkontrolle in Innenräumen beigetragen (163). Obwohl sich solche Zusammenstellungen im Laufe der Zeit verändern, waren politische Maßnahmen und Aktionen zur Emissionsreduzierung bei der Koordinierung von Veränderungen in diesen sozialen und materiellen Konfigurationen unwirksam. Infolgedessen bleiben routinierte, alltägliche und weitgehend unbewusste Verhaltensweisen weitgehend unberührt, wobei viele kohlenstoffintensive Aktivitäten sogar noch zunehmen (z. B. häufiges Fliegen).

Eine Perspektive der sozialen Praxis lenkt die Aufmerksamkeit auf Routinen und soziotechnische Systeme, die zu kohlenstoffreichen Lebensstilen führen und diese aufrechterhalten, z. B. durch ineinandergreifende Praktiken von Freizeit und Arbeit und Visionen von einem guten Leben, die mit Merkmalen wie Bequemlichkeit und Komfort verbunden sind. Theorien der sozialen Praxis schlagen vor, dass durch die Konzentration auf technologische Substitution und Verhaltensänderungen den komplexen und verteilten Faktoren, die kohlenstoffreiche Lebensstile normalisieren und ausweiten, nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird (164). Diese Kritik wurde auch geäußert, um alternative Ziele für Interventionen zu identifizieren (165), wobei die Dekarbonisierung als eine Frage betrachtet wird, wie kohlenstoffreiche Routinen erschüttert und kohlenstoffarme Alternativen normalisiert werden können, oder wie kohlenstoffarme Praktiken (z. B. Praktiken des Teilens und des aktiven, nicht motorisierten Reisens) gefördert werden können, während gleichzeitig die mit hohen Emissionen verbundenen Praktiken (z. B. Praktiken im Zusammenhang mit Fast Fashion und Automobilität) reduziert werden.

Damit sich kohlenstoffarme Praktiken ausbreiten und kohlenstoffreiche Praktiken verdrängen können, sind integrierte Maßnahmen in unterschiedlichen Räumen und die Koordinierung zwischen vielen verschiedenen Akteuren erforderlich (161). Mobilitätswissenschaftler (166) betonen beispielsweise das Ausmaß der Neukonfiguration, die erforderlich ist, um die akademische Welt von kohlenstoffintensiven Reisen zu trennen, einschließlich veränderter institutioneller Kulturen, Finanzierungspraktiken und Studentenrekrutierung zur Unterstützung virtueller Arbeitsweisen. Obwohl neue kohlenstoffarme Praktiken entstehen können, muss die Politik dafür sorgen, dass sich diese stabilisieren und durchsetzen, und die Verbreitung kohlenstoffreicher Praktiken verhindern.

Letztendlich ergeben sich kohlenstoffreiche Lebensstile sowohl aus individuellen Handlungen als auch aus den systemischen Bedingungen des täglichen Lebens. Perspektiven, die Lebensstile und Konsum betonen, tragen dazu bei, die grundlegenden Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten bei den Triebkräften des Klimawandels in den Vordergrund zu stellen (siehe Abschnitt 5.1). Selbst innerhalb ähnlicher sozialer Gruppen und geografischer Regionen gibt es große Unterschiede bei den Emissionen zwischen verschiedenen Lebensstilen (nicht zuletzt zwischen denen mit hohem Einkommen und denen ohne) (2, 129) – und dennoch ist es bisher nicht gelungen, die Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels auf die großen Emittenten und emissionsintensiven Praktiken zu richten (156, 158, 162). Um solchen Unterschieden und Ungleichheiten zu begegnen, sind Maßnahmen zur Nachfragesteuerung erforderlich, die auf kohlenstoffintensive Lebensstile abzielen, ohne die schwächeren Bevölkerungsgruppen unverhältnismäßig stark zu beeinträchtigen. Solche maßgeschneiderten Ansätze könnten zu einer wirksameren Minderungspolitik führen, indem sie sich auf emissionsintensive Praktiken konzentrieren (z. B. häufiges Fliegen durch wohlhabendere Gruppen). Darüber hinaus können partizipatorische und praxisorientierte politische Prozesse, bei denen die Bürgerinnen und Bürger die Frage stellen, wie ein systemweiter Wandel herbeigeführt werden kann, eine Kritik an der Machtdynamik und den Einflussmustern hervorrufen, die nicht nachhaltige Lebensstile begünstigen.

Soziale Imaginäre

Entscheidend für die historische und anhaltende Kohlenstoffbindung ist das weit verbreitete Versagen der modernen Industriegesellschaften, sich wünschenswerte Lebensweisen vorzustellen, die weder an die Kohlenstoffwirtschaft gebunden noch von Fortschrittserzählungen abhängig sind, die auf ständigem Wirtschaftswachstum beruhen (siehe Abschnitt 4.1). Dieser Mangel an plausiblen Vorstellungen liegt vielen der in diesem Artikel erörterten Faktoren zugrunde und besteht aus einer Reihe miteinander verbundener Gründe.

Erstens neigen soziale Imaginarien (kollektive Bilder davon, wie wir leben könnten) dazu, “aus bereits bestehenden Repräsentationen zusammengesetzt zu werden” (167, S. 24). Wie das aufstrebende Feld der Energie-Humanwissenschaften (168) zu zeigen beginnt, sind die Traditionen, Kulturen und Überzeugungen der heutigen Industriegesellschaften tief mit fossilen Brennstoffen verwoben, was als Petrokulturen und Kohlenstofflandschaften bezeichnet wird (169). Zukunftsvisionen werden von solchen eingeschränkten sozialen Vorstellungen dominiert (170) und bieten daher selten eine “radikale Abkehr von der Vergangenheit” (171, S. 138).

Zweitens wird die Zukunft durch technokratische Formen der Modellierung, Kosten-Nutzen-Analyse und Vorhersage, die den Kern der meisten Vorstellungen von Regierungen und Industrie bilden (siehe Abschnitte 4.1 und 4.2), weiterhin als offen für Ausbeutung dargestellt. Obwohl diese Ansätze im Wesentlichen spekulativen Charakter haben (172), sind sie sehr einflussreich und können leicht transparente Entscheidungen über die Merkmale vorgeschlagener Zukünfte durch versteckte “Experten”-Urteile ersetzen, die in den Algorithmen und Annahmen von Black-Box-Modellen zum Tragen kommen. Solche Vorstellungen – selbst wenn sie auf Modellen beruhen, die die soziale Dynamik betonen – können sich daher nur schwer von modernistischen Vorstellungen über die Energienutzung emanzipieren (173). Typischerweise verlagern sie den Energieverbrauch von fossilen Brennstoffen auf andere Energiequellen, unterliegen politischen Tropen (wie der Interpretation von Energie als nationales Sicherheitsanliegen; siehe auch Abschnitt 3.3) und stellen die Zukunft in den Mittelpunkt von Kosten-Nutzen-Analysen und rationalen Entscheidungen (174).

Drittens ist die Produktion sozialer Vorstellungen ein Ort der politischen Anfechtung, an dem bestimmte Zukunftsvisionen aktiv an den Rand gedrängt werden und die Fähigkeit verschiedener Gruppen, sich eine bessere Zukunft vorzustellen, systematisch untergraben wird (175). In der Vergangenheit haben energie- und kohlenstoffintensive Akteure die öffentliche und mediale Erforschung der postkohlenstoffhaltigen Zukunft dominiert (3). Dort, wo Alternativen zu den auf fossilen Brennstoffen basierenden Kulturen erdacht werden, sind diese häufig und notwendigerweise Gegenstand einer (partiellen) demokratischen Debatte und bieten folglich keine einfache Alternativroute (176). In der Tat wurden Fragen der Klimagerechtigkeit, der Rassengerechtigkeit und der Gleichstellung der Geschlechter bis vor kurzem zu selten gemeinsam betrachtet und zuweilen als konkurrierend angesehen (z. B. in Bezug auf die Arbeitnehmerrechte). Diese Zersplitterung in einer Welt, die nach einfachen Geschichten sucht, führt in vielen Kreisen auch zu dem Irrglauben, dass keine alternativen sozialen Vorstellungen plausibel oder realisierbar sind.

Die gegenwärtigen Bildungseinrichtungen bieten nur begrenzte Hilfe bei der Bewältigung dieser Armut an sozialen Vorstellungen. Die Universitäten haben viele Wissenstraditionen, die nicht mit der industriellen Moderne in Verbindung gebracht werden, systematisch ausgeschlossen oder ausgegrenzt. Darüber hinaus durchdringt eine neoliberale Agenda zunehmend den eigentlichen Zweck vieler Universitäten, wodurch die Forschungsfinanzierung verzerrt und die akademische Integrität untergraben wird (177). In einer derart marktorientierten und wettbewerbsorientierten Struktur ist es sehr unwahrscheinlich, dass neue soziale Vorstellungen von einer kohlenstoffarmen Zukunft entstehen. Beraterfirmen und kohlenstoffintensive etablierte Unternehmen füllen dieses Vakuum, indem sie engstirnige Zukunftsvorstellungen mit begrenzter akademischer Kritik fördern. Ebenso bieten Schulen nur wenige Ressourcen, um Schüler dabei zu unterstützen, die zugrundeliegenden Narrative, die die industrielle Moderne prägen, zu hinterfragen und kritisch zu reflektieren; in der Tat sollten sie eher als aktive Orte ihrer Produktion verstanden werden. Versuche, dies zu ändern, wie etwa die kritische Pädagogik und die Bildung für nachhaltige Entwicklung, wurden an den Rand gedrängt (178). Dies hat zur Folge, dass junge Menschen die formale Bildung in der Regel mit wenig Fähigkeiten abschließen, die eine kritische Analyse der vorherrschenden Erzählungen über die Zukunft unterstützen oder sie in die Lage versetzen, neue soziale Vorstellungswelten zu konstruieren (179). In Anbetracht der oben genannten Einschränkungen lässt sich sagen, dass die psychologische, soziale und emotionale Fähigkeit von Einzelpersonen und Gruppen, andere soziale Vorstellungen zu verstehen, zu erforschen und zu schaffen, immer weiter geschwächt wurde.

Die schöpferische Vorstellungskraft plausibler und wünschenswerter Zukünfte, die nicht an fossile Brennstoffe gebunden sind, kann in vielen Fällen Bemühungen erfordern, die gesellschaftspolitischen Denkweisen der industriellen Moderne und die Wissensinfrastrukturen, die sie unterstützen, zu kritisieren und zu demontieren (180). Mit anderen Worten: Der Mangel an sozialen Vorstellungswelten, die in der Lage sind, plausible Formen eines Lebens ohne Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu entwerfen, ist nicht nur ein Problem des Klimawandels (181). Vielmehr ist es eng mit einer “epistemologischen Monokultur” verbunden, die die kollektive globale Fähigkeit verarmt hat, sich Lebensformen vorzustellen und zu verwirklichen, die nicht von der Ausbeutung von Menschen und natürlichen “Ressourcen” abhängig sind (182). Doch in vielen Gemeinschaften auf der ganzen Welt haben sich lokal verwurzelte Weltanschauungen und endogene Interpretationen von Entwicklung erhalten und wurden nie ganz oder auch nur teilweise der zunehmend globalisierten westlichen Moderne unterworfen (183). In Verbindung mit den vielen Orten des langjährigen Widerstands und den sich abzeichnenden Gegenperspektiven zur Modernisierung bieten sie Möglichkeiten für eine bereicherte soziale Imagination.

In der politischen Sphäre intensiviert sich der Aufbau gemeinsamer Anliegen über soziale Bewegungen und übergreifende Interessen hinweg, indem Klimagerechtigkeit beispielsweise mit Geschlechter- und Rassengerechtigkeit verknüpft wird und von den Erfahrungen und dem Wissen indigener Gemeinschaften gelernt wird, und es wird auf langen Traditionen der Vorstellung alternativer Zukünfte aufgebaut. Partizipative Demokratie und Bürgerversammlungen bergen ein gewisses Potenzial für die Aushandlung und Entwicklung von Post-Carbon-Imaginationen über soziale Gräben hinweg. Politische Theorien, die sich mit der Rolle von Konflikten und der Zukunft der Demokratie befassen, haben auf die Notwendigkeit aufmerksam gemacht, neue Wege des Umgangs mit feindseligen Meinungsverschiedenheiten und Traumata zu entwickeln, die über die Suche nach einem einfachen Konsens hinausgehen (184). Eine tiefgreifende Untersuchung der überkommenen Annahmen und Wünsche sowie künstlerische, spekulative und phantasievolle Werkzeuge sind notwendige Elemente jedes politischen Prozesses, der über eine einfache und schrittweise Neuinterpretation der heutigen Kohlenstofflandschaft und der damit verbundenen Denkweisen hinausgehen soll (185).

Auf dem Gebiet der Bildung und der Erkenntnistheorie üben indigene und dekoloniale Denktraditionen bereits eine starke Kritik an der Rolle der Bildung bei der Reproduktion und Verteidigung des Status quo. Kritische Zukunftsforschung, Antizipationsstudien und Analysen, die zutiefst koloniale Rahmungen von Geschichten, sozialen Praktiken und Überzeugungen aufdecken, stellen das übermäßige Vertrauen in die Modellierung von Zukunftsbildern in Frage. Gleichzeitig wächst auch die Aufmerksamkeit für die emotionalen, verkörperten und einfühlsamen Aspekte der Bildung im Zusammenhang mit fossilfreien Vorstellungen. Die Angleichung solcher Studien und Prozesse kann dazu beitragen, die tiefgreifenden kognitiven und emotionalen Herausforderungen zu bewältigen, die mit der Entwicklung sozialer Vorstellungen verbunden sind, die die Zukunft als weitaus reicher als eine einfache Extrapolation der Gegenwart interpretieren (186).

DISKUSSION

Die Untersuchung des Klimaschutzes – oder des Fehlens desselben – durch eine Reihe von thematischen Linsen ermöglicht es uns, die Konturen eines äußerst multidimensionalen Problems zu skizzieren, das wohl in vielen verschiedenen Bereichen verwurzelt ist – vom politischen zum kulturellen, vom materiellen zum epistemologischen. Die Linsen bieten unterschiedliche Sichtweisen, die sich manchmal ergänzen, überschneiden, kontrastieren und gelegentlich auch widersprechen. Nichtsdestotrotz ergeben sich daraus eine Reihe von Erkenntnissen darüber, warum es uns nicht gelungen ist, die globale Emissionskurve zu beugen, sowie kritische Fragen für weitere Forschungen und Maßnahmen zum Klimawandel.

Die Gruppierung der neun Linsen lieferte eine einfache Heuristik, aus der ein besonders hervorstechendes Merkmal der historischen und andauernden Fixierung auf kohlenstoffintensive Entwicklungspfade hervorging, nämlich Macht. Verschiedene Formen von Macht und deren Ausdrucksformen sind in allen neun Linsen erkennbar, einschließlich der verankerten, institutionellen Macht, die im Davos-Cluster stark ausgeprägt ist, der instrumentellen Formen von Macht, die vom Enabler-Cluster betont werden, und der Macht der Ideen, die im Strauß- und Phoenix-Cluster im Vordergrund steht. Auf dieser Grundlage wird in Abschnitt 6.1 versucht, differenziertere Gründe für die Widerstandsfähigkeit der aktuellen Emissionstrends gegenüber Veränderungen herauszuarbeiten.

Warum haben wir die globale Emissionskurve nicht gebogen?

Drei Jahrzehnte sorgfältig ausgearbeiteter politischer Erklärungen, Gerüchte über eine signifikante Entkopplung und Versprechungen über technische Durchbrüche haben den scheinbar unaufhaltsamen Anstieg der Emissionen kaum gebremst. Der Schlüssel zur Umkehr dieses Vermächtnisses des Scheiterns liegt darin, zu verstehen, warum die CO2-Emissionen trotz eindeutiger wissenschaftlicher Erkenntnisse und internationaler Verpflichtungen heute etwa 60 % höher sind als 1990. Sicherlich sind die Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels vielfältig, diffus und ungleichmäßig über Raum und Zeit verteilt. Die größten Verursacher von Emissionen (Länder, Organisationen oder Einzelpersonen) sind oft am wenigsten gefährdet, was die direkten Anreize zum Handeln schwächt, während diejenigen, die am wenigsten für die Emissionen verantwortlich sind, oft die schlimmsten Auswirkungen zu spüren bekommen. Die Verbrennung fossiler Brennstoffe und großflächige Landnutzungsänderungen haben die wirtschaftliche Entwicklung über mehr als zwei Jahrhunderte hinweg untermauert und tiefe Pfadabhängigkeiten geschaffen (nicht nur wirtschaftlich, sondern auch materiell, sozial, kulturell und psychologisch). Die vorherrschenden wirtschaftlichen und politischen Interessen sind in den Status quo investiert und arbeiten hart gegen Veränderungen. Die Ursachen sind auch tief in umfassendere wirtschaftliche und geopolitische Spaltungen eingebettet, einschließlich des historischen Hintergrunds von Kolonialismus, Imperialismus und anderen systemischen Ungerechtigkeiten.

Was in den Übersichten und Analysen in diesem Artikel deutlich wird, ist, wie die Umlenkung der steigenden Emissionen in Richtung Paris-konformer Dekarbonisierungsraten Fragen aufwirft, die das vorherrschende Paradigma des “Fortschritts” in Frage stellen. Das nahezu unkritische Streben nach Wirtschaftswachstum, eine Politik des Stückwerks und eine engstirnige, technisch-ökonomische Rationalität sind grundlegende Merkmale dieses Paradigmas. Darüber hinaus wurden Weltanschauungen und Perspektiven, die Alternativen zu diesem stark eingeschränkten Entwicklungspfad bieten, (bisher) eher an den Rand gedrängt, unterminiert oder anderweitig ignoriert.

Besitzstandswahrung, von der individuellen bis zur geopolitischen Ebene, ist das Haupthindernis für den Abbau kohlenstoff- und energieintensiver Besitzstände, die ihrerseits durch umfassendere Ideologien der Kontrolle untermauert werden. Diese Interessen gehen jedoch weit über die üblichen Verdächtigen wie die Industrie für fossile Brennstoffe hinaus und ziehen sich durch alle Ebenen von Macht und Einfluss. Wie mehrere der in diesem Artikel behandelten Themen zeigen, hat sich die frühere und direkte Sprache der Klimaleugnung teilweise in etwas viel Durchdringenderes und Heimtückischeres verwandelt. Ob es sich nun um die angeblich kohlenstoffarmen Energieszenarien von BP, Shell und Equinor oder um die vielen IAM-Szenarien handelt, die in den Berichten des IPCC zur Eindämmung des Klimawandels (WGIII) dominieren, Öl und Gas sorgen weiterhin für ein ungebremstes Wirtschaftswachstum weit über die Mitte des Jahrhunderts hinaus. Diese reibungslose Aufrechterhaltung des Status quo wurde und wird durch das spekulative Potenzial planetarischer NETs als Ersatz für eine schnelle und tiefgreifende Abschwächung heute ermöglicht. Genau zu dem Zeitpunkt, als das Pariser Abkommen das Ziel 1,5°C anzustreben” verschärfte, wurde die Verabschiedung von NETs unter dem Deckmantel von “Netto-Null-Zielen” von “progressiven” Nationen und Organisationen vorangetrieben. In vielerlei Hinsicht ist dies genau das, wovor die Überprüfungen und Analysen in diesem Artikel gewarnt haben. Ob die Sorge um das vorherrschende Modell des Wirtschaftswachstums, das Festhalten an bestehenden, mit fossilen Brennstoffen betriebenen Technologien, die Marginalisierung alternativer sozialer Vorstellungen oder die Aufrechterhaltung vorherrschender Ungleichheiten (sowohl innerhalb von Gemeinschaften als auch auf internationaler Ebene) – das Scheitern bei der Beugung der globalen Emissionskurve ist auf die Stärke des bestehenden Paradigmas des “Fortschritts” zurückzuführen, das sich dem Wandel widersetzt.

Blick in die Zukunft

Im Jahr 2021 herrscht zunehmend Einigkeit darüber, dass dringende und noch nie dagewesene Maßnahmen erforderlich sind, um die Emissionen im Einklang mit den im Pariser Abkommen eingegangenen Verpflichtungen zu senken. Von den Seiten der UN-Berichte (8, 9) über die Agenda 2030 bis hin zur Ankündigung eines “Aktionsjahrzehnts” durch den UN-Generalsekretär sind Aufrufe zur Umgestaltung unserer Welt weit verbreitet. Einige argumentieren, dass die Menschheit nun all ihre vorhandenen sozialen, wirtschaftlichen und technologischen Kräfte nutzen muss, um die Klimakrise zu bewältigen und in den Griff zu bekommen und das Anthropozän sicher zu navigieren (13, 187). Oft wird in solchen Vorschlägen impliziert, dass es keine Zeit (oder Notwendigkeit) gibt, viele der Grundprinzipien moderner, industrialisierter Gesellschaften in Frage zu stellen. Die für diesen Artikel ausgewertete Literatur deutet jedoch darauf hin, dass ein Haupthindernis für einen erfolgreichen Klimaschutz in den letzten drei Jahrzehnten darin besteht, dass genau das nicht getan wurde.

Die thematischen Linsen tragen auf unterschiedliche Weise dazu bei, den Klimaschutz in einer systemischeren Landschaft zu verorten, in der das Ausmaß und die Geschwindigkeit des fortschreitenden Klimawandels nicht einfach ein Problem ist, das es zu lösen gilt, sondern vielmehr ein Symptom einer “funktionierenden”, jedoch in hohem Maße unhaltbaren globalen politischen Wirtschaft. Das soll nicht heißen, dass es keinen sinnvollen Spielraum oder keine Zeit für mehr reformorientierte Strategien gäbe. Es bedeutet jedoch, dass die Dynamik, die weiterhin kohlenstoffintensive Pfade festschreibt und Alternativen an den Rand drängt, dringend – und kontinuierlich – in Frage gestellt werden muss.

Dabei sind wir Koautoren nicht unbedingt neutrale Beobachter des Versagens der anderen gewesen. Als Mitglieder von Gesellschaften und Gemeinschaften, die es versäumt haben, angemessen auf die Klimakrise zu reagieren, sind wir alle in das “business as usual” verstrickt – und müssen dies bei der Entwicklung von Einsichten und Verständnis erkennen. Dies kann bedeuten, dass orthodoxe Schulen der Wissensproduktion (einschließlich stark eingeschränkter Formen der Modellierung) weiter problematisiert werden und dass die Aufmerksamkeit auf zu wenig beachtete Themen gelenkt wird, wie z. B. den Einfluss des Militarismus oder die Rolle der Medien (auf die in diesem Artikel nicht eingegangen wird). Ganz allgemein sind konzertierte Anstrengungen zur aktiven Umgestaltung der Wissenssysteme und Institutionen (einschließlich ihrer Finanzierung), die die Probleme, die den Klimawandel vorantreiben, immer wieder reproduzieren, dringend erforderlich. Eine wichtige Folge davon ist die Notwendigkeit, Pluralität und divergierendes Denken in eine Reihe von Forschungsbereichen und Bildungskontexten zu bringen. Ebenso ist es von entscheidender Bedeutung, den Klimawandel als eine von mehreren miteinander verflochtenen Notsituationen im Bereich der Nachhaltigkeit zu begreifen, wenn man auf die sehr realen und hohen Risiken hinweist, die damit verbunden sind, wenn es nicht gelingt, den Klimawandel zu bewältigen.

In Bezug auf die Politikgestaltung und allgemeinere Fragen der Regierungsführung deuten mehrere der thematischen Linsen darauf hin, dass es innerhalb der derzeitigen Regierungssysteme erhebliche, jedoch ungenutzte Möglichkeiten für einen wirksamen Klimaschutz gibt, wenn der politische Wille mobilisiert werden kann.7 Eine kohärente und durchdachte Führung, die dem Ausmaß und der Dringlichkeit des Klimawandels gerecht wird (anstelle politischer Effekthascherei innerhalb des UNFCCC-Klimaregimes und anderer internationaler Gremien), die strenge Regulierung von Unternehmen und der schrittweise Abbau stark emittierender Industrien bieten allesamt Potenzial. Ansätze zur Nachfragesteuerung, die auf den Konsum und die großen Emittenten abzielen, könnten besonders effektiv sein, wenn man bedenkt, dass ein sehr großer Anteil der globalen Emissionen auf einen kleinen Teil der Weltbevölkerung zurückzuführen ist.8 Die Identifizierung neuer Ziele für Maßnahmen, die auch die komplexen und verteilten Faktoren berücksichtigen, die einen kohlenstoffreichen Lebensstil ausweiten und aufrechterhalten, könnte ebenfalls dazu beitragen, Emissionsreduzierungen voranzutreiben. Während eine Politik der Dringlichkeit und Gerechtigkeit erforderlich ist, um die globale Emissionskurve schnell zu biegen, erfordern der Klimawandel und die allgemeine ökologische Krise eine Politik der Bescheidenheit, in der wir uns wieder als Teilnehmer eines größeren lebenden Systems und nicht als Abstrakte von ihm verstehen.

SCHLUSSFOLGERUNG

Dieser Artikel hat gezeigt, dass die Gründe für das 30-jährige Scheitern, die globale Emissionskurve zu biegen, zwar vielschichtig sind, sich aber wie ein roter Faden durch alle ziehen. Die Zentralisierung der Macht und die damit einhergehenden Privilegien haben sich in verschiedenen Formen und in unterschiedlichem Ausmaß um eine bestimmte Weltanschauung gruppiert. In den letzten Jahrzehnten haben sich die zentralen Grundsätze dieser Weltanschauung zu einem breiteren globalen Zeitgeist entwickelt, bei dem Entwicklung und Fortschritt auf Wirtschaftswachstum reduziert und durch immer engere Finanzkennzahlen und -indizes definiert werden. Parallel zu diesem finanziellen Reduktionismus und der wirtschaftlichen Charakterisierung von Nationen und Gesellschaften hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die externen Effekte des “Systems” die Grundpfeiler des Systems untergraben werden. Bislang haben die Macht und die Trägheit des bestehenden Systems jedoch ausgereicht, um den Eindruck einer anhaltenden Kontrolle zu vermitteln. Die Herausforderungen werden “erkannt” und “verinnerlicht”, und durch versprochene technische Zukünfte, die in ausgeklügelten Modellen sorgfältig kalkuliert werden, bleiben die bestehenden Machtstrukturen unangefochten.

Doch auch wenn die Menschen zumindest vorübergehend dazu gebracht werden können, die physikalische Realität zu ignorieren, gilt dies nicht für die natürlichen Systeme, von denen die menschlichen Gesellschaften letztlich abhängen. Im Jahr 2021 gibt es erste Anzeichen dafür, dass Teile der Gesellschaft beginnen, grundlegende Fragen zur Angemessenheit des vorherrschenden Entwicklungsparadigmas zu stellen, einschließlich seiner Reaktion auf die Klimakrise. Es zeichnet sich ein gewisses Zusammenkommen von kritisch denkendem Fachwissen ab, das typischerweise im Enabler-Cluster angesiedelt ist, mit einer stärker von unten nach oben gerichteten Infragestellung durch das Strauß- und Phönix-Cluster, einschließlich der vielen und vielfältigen sozialen Bewegungen, die das Potenzial haben, sich zunehmend geografisch und themenübergreifend zu vernetzen. Die eskalierenden Belastungen des Klimasystems sind so groß, dass sie allmählich die Fähigkeit des Status quo übersteigen, sie entweder aufzufangen oder zu verbergen.

Während dieser Artikel also versucht hat, ein wenig Licht in die Frage zu bringen, warum es uns nicht gelungen ist, die globale Emissionskurve zu beugen, hat sich gezeigt, dass die Stabilität des gegenwärtigen Zeitgeistes mit seiner starken Abhängigkeit von einem eskalierenden und zentralisierten Energieverbrauch sein Untergang zu sein scheint. Die in die natürlichen Systeme der Erde eingeschlossenen Veränderungen und das Ausmaß und die Schnelligkeit des Wandels, die jetzt von den menschlichen Gesellschaften verlangt werden, lassen sich nicht mehr mit einer massierten Form des Status quo vereinbaren. Im wahrsten Sinne des Wortes ist ein kritischer Wendepunkt erreicht worden. Welche Richtung auch immer gewählt wird, die Zukunft wird eine radikale Abkehr von der Gegenwart sein. Die Gesellschaften können beschließen, ihre Emissionen schnell und radikal in einem Tempo und in einer Weise zu verändern, die mit dem Zeitgeist unvereinbar sind, oder der Klimawandel wird hinreichend chaotische Auswirkungen haben, die ebenfalls die Stabilität des Zeitgeistes übersteigen. In beiden Fällen sind die bestehenden Machtstrukturen und Paradigmen, die mit dem Davoser Cluster verbunden sind, schlichtweg untauglich.

ZUSAMMENFASSENDE PUNKTE

  1. Trotz dreier Jahrzehnte politischer Bemühungen und wissenschaftlich fundierter Warnungen vor den wahrscheinlichen katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels sind die CO2-Emissionen weltweit weiter angestiegen und liegen heute um 60 % über dem Stand von 1990.
  2. Seit der Veröffentlichung des ersten IPCC-Berichts im Jahr 1990 ist mehr anthropogenes, fossiles CO2 in die Atmosphäre gelangt als in der gesamten Menschheitsgeschichte zuvor.
  3. Das Versagen von Führungspersönlichkeiten, insbesondere in Ländern, Sektoren, Unternehmen und Einzelpersonen, die hohe Emissionen verursachen, hat zu Leiden innerhalb und zwischen den Generationen und zu langfristigen existenziellen Bedrohungen für Lebensgrundlagen und Ökosysteme geführt.
  4. Verankerte geopolitische, industrielle und militärische Macht und die damit verbundene Mentalität sind grundlegende Hindernisse für eine wirksame Eindämmung.
  5. Orthodoxe Denkschulen und Forschungstraditionen (einschließlich stark eingeschränkter Formen der Modellierung), insbesondere in den Bereichen Wirtschaft, Energie und Klimaschutz, müssen in Frage gestellt und durch heterodoxere Ansätze ersetzt oder ergänzt werden.
  6. Drei Jahrzehnte, in denen man sich entschieden hat, beim Klimaschutz zu scheitern, haben dazu geführt, dass die Herausforderung des Klimawandels nicht mehr nur eine technokratische Anpassung an den “business as usual” ist, sondern einen raschen Wandel auf Systemebene sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern erfordert.
  7. Der Wandel hin zu einer nachhaltigeren und gerechteren Zukunft erfordert eine radikale Umgestaltung der langfristigen soziokulturellen und politisch-wirtschaftlichen Normen und Institutionen, die derzeit genau die Probleme reproduzieren, die den Klimawandel vorantreiben.

ZUKUNFTSFRAGEN

  1. Wie können der geopolitische Wettbewerb um Energieressourcen und die Ideologien der Kontrolle, die die vorherrschenden Antworten auf den Klimawandel bestimmen, in Frage gestellt und überwunden werden?
  2. Wie haben sich die Mainstream-Ökonomie und neoliberale Antworten auf den Klimawandel (z. B. Kohlenstoffmärkte und eine breitere Finanzialisierung der Umwelt) so durchgesetzt, und welche Möglichkeiten gibt es für alternative oder ergänzende Ansätze?
  3. Wie können die Forschungsansätze, die derzeit die Beratung und die Politik zur Eindämmung des Klimawandels dominieren (z. B. integrierte Bewertungsmodelle), durch ein breiteres Spektrum von Ansätzen und Perspektiven ergänzt werden?
  4. Wie könnten Ansätze zur raschen Verringerung der energiebedingten Emissionen verwirklicht werden (z. B. aktive Verlagerung und Demontage von Energiesystemen, die auf fossilen Brennstoffen basieren, und Praktiken zur Steuerung der Energienachfrage)?
  5. Wie kann die große Asymmetrie in der Verantwortung für Emissionen sowohl innerhalb als auch zwischen den Nationen in der Klimapolitik und -steuerung angegangen werden?
  6. Wie können auf fossilen Brennstoffen basierende, kohlenstoffintensive Lebensstile, Praktiken und Visionen einer schrittweisen Abschwächung rasch durch nachhaltige Alternativen und einen tiefgreifenden Systemwandel ersetzt werden, der auf einer rechtzeitigen Reaktion auf die Pariser Verpflichtungen in Bezug auf Temperatur und Gerechtigkeit beruht?
  7. Wie können die Wissenssysteme und -institutionen, die gegenwärtig genau die Probleme reproduzieren, die den Klimawandel vorantreiben, verändert werden?
  8. Wie können bestehende und neue soziale Bewegungen die Macht der Bevölkerung und soziale Vorstellungen so mobilisieren, dass sie den Status quo wirksam in Frage stellen und dazu beitragen, strukturelle Veränderungen in dem erforderlichen Umfang und Tempo voranzutreiben?

Quellen/Original/Links:
https://www.annualreviews.org/doi/full/10.1146/annurev-environ-012220-011104

Übersetzung:
https://www.deepl.com/en/translator

Direktor Zentrum für Umwelt- und Entwicklungsstudien Uppsala
Isak Stoddard

Isak Stoddard

Isak Stoddard ist amtierender Programmdirektor am Zentrum für Umwelt- und Entwicklungsstudien (CEMUS) an der Universität Uppsala und der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften. In dieser Funktion arbeitet er hauptsächlich an der Entwicklung von transformativen und transdisziplinären Ansätzen in der Hochschulbildung als Antwort auf die globalen ökologischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit. Isak ist auch der Koordinator… Weiterlesen »Isak Stoddard

Maschinenbauingenieur und Klimaforscher

Kevin Anderson

Kevin Anderson ist ein britischer Maschinenbauingenieur und Klimaforscher. Er hat u. a. eine Professur für Energie und Klimawandel an der Universität Manchester und ist stellvertretender Direktor des Tyndall Centre for Climate Change Research. Anderson hat die Projektionen des Weltklimarats zur zukünftigen globalen Erwärmung analysiert und hält sie für grob überoptimistich. Von den 400 Szenarien, unter denen eine mindestens 50%ige Chance besteht, dass das Zwei-Grad-Ziel erreicht… Weiterlesen »Kevin Anderson